Typische Fehler und wiederkehrende Stolpersteine
Wenn du die Polygon-Aufgaben im PhaST verlierst, liegt es selten daran, dass du die Regeln nicht kennst. Es liegt fast immer daran, dass du in einer von wenigen, sehr typischen Fallen stolperst – oft sogar mehrfach in derselben Aufgabe. Diese Seite bündelt diese Fehlermuster, erklärt jeweils die Ursache und gibt dir eine konkrete Gegenstrategie, mit der du sie schon während der Bearbeitung erkennen kannst.
Wir nutzen dabei das Farb- und Syntaxsystem aus den internen Übungsaufgaben (wß, ge, bl, gr, br, ga, sw; Ringkennung wie bl/6, Trennzeichen .).
Fehler 1: Stammring und Position 1 verwechseln
Das ist mit Abstand der häufigste konzeptuelle Fehler. Beide Regeln drehen sich um „den Ring mit den meisten Ecken” – aber sie meinen unterschiedliche Dinge:
- Stammring (R1): der größte Ring im gesamten System. Er steht ganz hinten im Namen.
- Position 1 (R7a): nicht der größte Ring überhaupt, sondern derjenige Ring, der direkt am Stammring hängt und unter diesen Substituenten die meisten Ecken hat.

In unserer Übungsaufgabe 1 ist der Stammring bl/6 (das Sechseck), Position 1 erhält aber br/5 (das größte direkt angeknüpfte Polygon). Verwechselst du beides, vergibst du Position 1 z. B. an gr/4 (Antwort C in Übung 1) – inhaltlich falsch, obwohl der Name auf den ersten Blick „plausibel” aussieht.
Frage dich strikt nacheinander: (1) „Welcher Ring ist im ganzen Bild der größte?” → Stammring. (2) „Welcher Substituent am Stammring ist der größte?” → Position 1. Erst dann zur Nummerierung übergehen.
Fehler 2: Farbpriorität falsch herum verstanden
Die Farbpriorität ist intuitiv kontraintuitiv: Kleinere Zahl bedeutet höhere Priorität. wß (Priorität 1) schlägt sw (Priorität 7), nicht umgekehrt. Unter Zeitdruck schleicht sich gerne der Reflex ein: „7 ist mehr, also gewinnt 7.” Das ist falsch.
Die Priorität wird nur in Tiebreak-Situationen gebraucht:
- Bei R1, wenn zwei Ringe gleich viele Ecken haben.
- Bei R7a, wenn zwei Substituenten am Stammring gleich viele Ecken haben.
- Bei R7d, wenn die Indexsummen für Uhrzeigersinn und Gegenuhrzeigersinn identisch sind.
Solange die Eckenzahlen unterschiedlich sind, ist die Farbe komplett egal. Erst bei Gleichstand entscheidet sie. Wer das vergisst, lehnt richtige Antworten oft mit „aber bl/6 hat doch eine bessere Farbe als sw/7” ab – und wählt die falsche.
Fehler 3: Zählrichtung nicht in beide Richtungen geprüft
R7c verlangt explizit, die Indizes einmal im Uhrzeigersinn (US) und einmal im Gegenuhrzeigersinn (GUS) zu addieren und die kleinere Summe zu nehmen. In der Praxis zählen viele nur in eine Richtung – meist die, die intuitiv „nach rechts” geht – und übersehen, dass die andere Richtung kleinere Indizes liefert.

Mach es zur Routine, vor dem Aufschreiben des Namens beide Summen kurz hinzuschreiben (mental oder auf Schmierzettel). Der minimale Mehraufwand spart dir ganze Aufgaben, weil ein einziger falscher Lokant die Antwort komplett kippt.
Fehler 4: Bei verschachtelten Substituenten die Basis nicht neu setzen
Wenn ein Substituent selbst weitere Substituenten trägt, gilt R8: Der Substituent wird zur neuen Basis, und die Verbindungskante zur vorherigen Basis ist automatisch dessen Position 1. Von dort aus wird wieder neu gezählt – nicht weiter durch die alte Nummerierung.
In Übungsaufgabe 3 trägt bl/7 zwei eigene Substituenten (gr/4 und br/3). Die Positionen 2 und 4 darin beziehen sich nicht auf das Achteck, sondern auf das Siebeneck als neue Basis. Wer das übersieht, baut die Lokanten aus dem falschen Bezugssystem ein und produziert systematisch verschobene Indizes.
Sobald eine eckige Klammer aufgeht, vergiss kurzzeitig den äußeren Ring. Die Position 1 in der neuen Klammer ist immer die Verbindungskante zum übergeordneten Ring – nicht die Stelle, an der du im äußeren System gerade stehst.
Fehler 5: Substituenten in falscher Reihenfolge notiert
R6 ist eindeutig: Substituenten werden nach aufsteigender Anknüpfungsposition aufgelistet, nicht nach Größe, Farbe oder „in der Reihenfolge, in der man sie sieht”. Trotzdem rutscht unter Zeitdruck oft eine intuitive Sortierung rein – etwa „erst der größte Ring, dann der kleinere”.
In Übungsaufgabe 1 ist Antwort D genau diese Falle: Die Substituenten sind alle korrekt, nur die Reihenfolge [1.br/5].[4.ge/3].[2.gr/4] verletzt R6, weil 4 vor 2 steht. Optisch kaum auffällig, formal eindeutig falsch.
Fehler 6: Trennzeichen- und Schreibweisefehler
Das ist die unspektakulärste, aber gemeinste Fehlerquelle: Die Antwortoptionen unterscheiden sich oft nur in Punkten, Klammern oder Schrägstrichen – inhaltlich sind sie identisch. Wer hier nicht hinschaut, hat statistisch eine 1-zu-5-Chance.
In Übungsaufgabe 3 sind genau das die Distraktoren. Die typischen Verstöße:
| Fehlertyp | Beispiel aus Übung 3 | Verletzte Regel |
|---|---|---|
| Punkt statt Schrägstrich in der Ringkennung | ge.8 statt ge/8 |
R9 |
| Fehlender Trennpunkt zwischen Klammer und Stammring | [5.gr/6]ge/8 |
R10 |
| Fehlender Trennpunkt zwischen zwei Innenklammern | [2.gr/4][4.br/3] |
R10 |
| Doppelter Punkt | [3.ga/5]..[5.gr/6] |
R10 |
Wenn alle fünf Antworten dieselben Lokanten und Ringe enthalten, ist die Aufgabe in Wahrheit eine reine Formaldisziplinprüfung. Geh dann nicht „inhaltlich” vor, sondern lies jede Antwort Zeichen für Zeichen und streiche bei jedem Verstoß sofort durch. So bleibt am Ende nur eine übrig.
Fehler 7: Kleine Unterschiede zwischen Antwortoptionen übersehen
Das ist der „Ich-bin-fertig”-Fehler: Du hast den Lösungsweg sauber durchgerechnet, siehst eine Antwort, die „passt”, und klickst. Übersehen hast du dabei, dass die richtige Antwort drei Zeilen darunter steht – nur durch einen einzigen vertauschten Index unterschieden.
In Übungsaufgabe 2 sind alle fünf Strukturen aus denselben vier Bausteinen gebaut. Die Unterschiede sind teils nur eine Ringposition weiter:
- B:
gr/4undge/3sind getauscht (Position 2 ↔︎ 3). - D:
ge/3sitzt eine Position zu nah anbr/5(2 statt 3). - E:
gr/4sitzt eine Position zu weit (5 statt 4).
Berechne den Namen bevor du auf die Antworten schaust (oder die Struktur, bevor du auf die Bilder schaust). Erst dann gehst du die Optionen durch und suchst die exakte Übereinstimmung. Wer andersherum vorgeht und eine der Optionen als „Anker” nimmt, lässt sich von Distraktoren beeinflussen.
Fehler 8: Praxisfallen am Testtag
Aus den Erfahrungsberichten kommen drei Fehlerquellen, die nichts mit dem Regelsystem an sich zu tun haben – aber im Test trotzdem Punkte kosten.
Vorschnelles Klicken unter Zeitdruck. Bei rund 25 Minuten für 15 Aufgaben (≈ 1,5 Min. pro Aufgabe) ist die Versuchung groß, bei der erstbesten plausiblen Antwort zuzuschlagen. Gerade weil dieser Untertest als „der gut machbare” gilt, klicken viele zu schnell und übersehen die Trennzeichenfalle. Gegenstrategie: Setze dir bei jeder Aufgabe eine kurze Schlusskontrolle als feste Routine: Stammring richtig? Position 1 richtig vergeben? Reihenfolge nach R6? Schreibweise nach R9/R10?
Regeln nicht ausreichend internalisiert. Mehrere Berichte raten zwar dazu, die Regeln im Test noch einmal nachschlagen zu können – die Praxis zeigt aber: Wer im Test erst „nachblättert”, verliert pro Aufgabe 20–30 Sekunden, und das Punktepotenzial dieses Moduls bricht weg. Gegenstrategie: Trainiere bis zur Automatisierung. Die Regeln sollen so sitzen, dass du R7c (beide Richtungen, kleinere Summe) und R8 (neue Basis) ohne Nachdenken anwendest.
Information geht beim Scrollen verloren. Auf dem Testlaptop sind Struktur und Antworten oft nicht gleichzeitig sichtbar – man scrollt zwischen Bild und Antwortliste hin und her und verliert dabei den Überblick, welcher Substituent wo saß. Gegenstrategie: Notiere dir auf dem bereitgestellten Schmierzettel bevor du zur Antwortliste scrollst eine Mini-Skizze: Stammring, Position 1, dann die Lokanten der weiteren Substituenten (z. B. „Stamm bl/6 | P1: br/5 | P2: gr/4 | P4: ge/3 | US”). Mit dieser Notiz kannst du jede Antwortoption blind abgleichen, ohne zurückscrollen zu müssen.
Schnellcheck vor dem Klick
Wenn du nur eine einzige Routine aus diesem Kapitel mitnimmst, dann diese vier Fragen vor jedem finalen Klick:

Geht eine dieser vier Prüfungen schief, ist die Antwort falsch – egal wie überzeugt du gerade bist. Die gute Nachricht: Mit diesem Vier-Punkte-Filter eliminierst du nahezu alle typischen Fehler dieses Untertests, bevor du sie machst.
Feedback
Hast du einen Fehler entdeckt, einen Verbesserungsvorschlag oder möchtest du Erfahrungen aus dem PhaST teilen? Wir lernen noch und wollen diesen Kurs kontinuierlich verbessern – jede Rückmeldung hilft uns. Melde dich gerne über dieses Formular ❤️.
Teile der Inhalte dieser Seite wurden mithilfe von KI-Systemen erstellt. Trotz sorgfältiger Prüfung können Fehler nicht ausgeschlossen werden – wichtige Informationen sollten stets anhand offizieller Quellen verifiziert werden. Gefundene Fehler können gerne über das Feedback-Formular gemeldet werden. Dieses Angebot steht in keiner Kooperation mit ITB Consulting oder den zulassenden Hochschulen.