Strategie für Bearbeitung, Zeitmanagement und Auswahl
15 Aufgaben in 25 Minuten – das klingt erstmal entspannt, sind aber im Schnitt nur 100 Sekunden pro Aufgabe. Und das schließt schon das Erfassen der Grafik, das Verstehen der Frage, das Ablesen oder Hochrechnen und das Anklicken einer Antwort ein. Wer sich in einer Aufgabe verbeißt oder die Grafik blind drauflos studiert, verliert hier am schnellsten Punkte. Deshalb lohnt sich eine feste, eingeübte Routine, die du im Test ohne Nachdenken abrufen kannst.
Das Zeitbudget realistisch sehen
Bevor wir zur Routine kommen, hilft ein klarer Blick auf das, was 100 Sekunden tatsächlich bedeuten. Eine Aufgabe wie unsere BMI-Übungsaufgabe (BMI aus Größe und Gewicht ablesen) ist mit 30–40 Sekunden machbar. Eine wie die Mäuse-Hochrechnung (Übungsaufgabe 3) frisst dich locker in 3 Minuten auf, wenn du jede Dosisstufe einzeln durchgehst. Das Budget verteilt sich also nicht gleichmäßig – du musst es aktiv steuern.

Die Konsequenz: Bei einfachen Aufgaben bewusst Zeit gewinnen, bei aufwendigen bewusst Zeit investieren – aber nie blind reinrennen.
Die Fünf-Schritte-Routine pro Aufgabe
Eine bewährte Reihenfolge, die du dir antrainieren kannst. Wichtig: Frage zuerst, Grafik danach. Der häufigste Anfängerfehler ist, sich erst minutenlang in eine spannend wirkende Grafik zu vertiefen und dann festzustellen, dass die Frage nur ein winziges Detail davon will.

Schritt 1 – Frage und Antwortformat erfassen. Lies die Frage vor dem Diagramm. Achte auf das Zielobjekt: Wird ein konkreter Zahlenwert gefragt? Eine Aussage geprüft? Eine Hochrechnung verlangt? Schau dir auch die Antwortoptionen kurz an – ihre Größenordnung verrät oft schon, in welcher Ecke der Grafik du suchen musst. Wenn die Optionen z. B. zwischen 1,2 und 2,2 m² liegen, weißt du sofort, dass du im Diagramm nicht mehrstufig hochrechnen musst, sondern einfach einen Schnittpunkt ablesen sollst.
Schritt 2 – Achsen, Einheiten, Legende prüfen. Was steht auf der x-Achse, was auf der y-Achse, in welcher Einheit, und – ganz wichtig – ist die Skala linear oder gestaucht? In Übungsaufgabe 2 (Plasmaspiegel) gibt es drei farbige Kurven mit Legende – ohne kurzen Blick auf die Legende verwechselt man i.v., i.m. und p.o. blitzschnell. Das ist der teuerste Fehler überhaupt: eine ansonsten richtig gelöste Aufgabe scheitert daran, dass man die falsche Linie verfolgt hat.
Schritt 3 – Nur den relevanten Teil auswerten. Komplexe Schaubilder enthalten oft mehr Informationen, als die Frage braucht. In Übungsaufgabe 3 sind drei Bereiche dargestellt (Tumortodesfälle, Toxizitätstodesfälle, Überlebende) – die Frage zielt aber nur auf die Überlebenden. Bewusst ausblenden, was nicht gefragt ist, spart enorm Zeit.
Schritt 4 – Grobwert schätzen. Bevor du die Antwortoptionen genau anschaust, lege dich innerlich auf einen Bereich fest: „Müsste so um die 26 sein.“ Diese Selbstfestlegung schützt dich davor, dich von einer plausibel klingenden Falsche-Antwort einreden zu lassen.
Schritt 5 – Optionen abgleichen oder ausschließen. Jetzt erst die fünf Antworten prüfen. Bei Aussage-Aufgaben (wie Übungsaufgabe 2, „Welche Aussage trifft zu?“) lohnt es sich, schwach offensichtliche Fehlaussagen zuerst auszuschließen – das reduziert die Optionen auf zwei oder drei und du kannst dich auf den entscheidenden Vergleich konzentrieren.
Aufgaben überspringen – wann und wie
Nicht jede Aufgabe ist deine Zeit wert. Wenn du nach etwa 30 Sekunden noch keinen Plan hast, wie du an die Aufgabe rangehst (welche Linie, welche Achse, welche Spalte) – überspringen, markieren, weiter. Komm nach dem Durchgang zurück.
Runde 1: Alle 15 Aufgaben einmal durchgehen. Was in 60–90 Sekunden lösbar ist, sofort beantworten. Was länger dauert oder eingeschüchtert hat: vorläufig irgendwas tippen (nichts bleibt unausgefüllt – im PhaST gibt es kein Minus für Falsche), markieren, weiter. Runde 2: Mit der gewonnenen Restzeit gezielt zu den markierten Aufgaben zurück. So gehst du sicher, dass du an keiner harten Aufgabe drei der einfachen verlierst.
In der Community wird dieser Effekt für 2023 sehr deutlich beschrieben: Mehrere Teilnehmer:innen berichten, dass eine einzelne unübersichtliche Diagramm-Aufgabe sie so lange aufgehalten hat, dass am Ende die Zeit für leichtere Fragen fehlte. Disziplin beim Überspringen ist hier wichtiger als Hartnäckigkeit.
Das transparente Lineal als Werkzeug
Im PhaST sind klassische Hilfsmittel verboten – aber ein durchsichtiges Lineal darfst du mitbringen, und gerade in diesem Untertest ist es Gold wert. Auf dem Bildschirm sind feine Diagonale, Treppenstufen oder Schnittpunkte mit dem bloßen Auge schnell um eine Stufe daneben. Mit einem Lineal als Lot fixierst du die Position exakt.

Drei typische Einsätze:
- Senkrechtes Lot an einer x-Position, um Werte mehrerer Kurven gleichzeitig abzulesen (besonders nützlich bei Aufgaben wie unserer Übungsaufgabe 2 mit drei Plasmaspiegel-Kurven).
- Waagerechtes Lot an einer y-Position – etwa um zu prüfen, an welchen x-Werten ein bestimmter Schwellwert erreicht wird.
- Schräg angelegt, um zu prüfen, ob ein Schnittpunkt wirklich auf einer bestimmten Diagonalen liegt – wichtig bei Nomogrammen wie unserer BMI-Aufgabe.
Übe das Lineal vor dem Test mit Diagrammen am Bildschirm. Auf dem Laptop-Display verhält es sich anders als auf Papier – manche Beschichtungen reflektieren stark, und ein zu langes Lineal wackelt. Ein kurzes (15–20 cm), randloses, durchsichtiges Geodreieck oder Lineal funktioniert in der Regel am besten.
Mentale Blockaden zerlegen
Manche Schaubilder im PhaST sind bewusst unübersichtlich gestaltet – das ist Teil des Tests. Treppenstufen, mehrere Achsen, Schraffuren plus Punktwolken plus Legende. Die normale erste Reaktion: kurzes Bauchgefühl von „Was ist das denn?” und der Impuls, sich überfordert zu fühlen. Genau dort schlägt der Test zu.
Die Gegenstrategie ist nicht, sich zur Ruhe zu zwingen, sondern die Grafik mechanisch in winzige Leseschritte zu zerlegen. Eine fast wörtlich nachsprechbare innere Checkliste:
- Was ist auf der x-Achse? (laut innerlich beantworten)
- Was ist auf der y-Achse?
- Welche unterschiedlichen Bereiche/Linien gibt es, und was bedeutet jeder?
- Welcher davon ist für meine Frage relevant?
- Jetzt erst: Wert ablesen oder Aussage prüfen.
Sobald du Schritt 1 ausgesprochen hast, ist der Lähmungseffekt schon halb weg. Du arbeitest, statt zu starren.
In Übungsaufgabe 3 sieht man das Prinzip gut: Auf den ersten Blick wirkt das Diagramm chaotisch (zwei spiegelbildliche Achsen, Treppenform, Schraffur, Farbflächen). Wendest du die Mini-Checkliste an, zerfällt es in: x-Achse = Dosis, links = Tumortodesfälle, rechts = Toxizitätstodesfälle, mittendrin = Überlebende, Frage zielt nur auf die Überlebenden – fertig, der Rest des Diagramms ist Beiwerk.
Aus Erfahrungsberichten ist bekannt, dass dieser Untertest in manchen Jahren (besonders 2023) als deutlich anspruchsvoller empfunden wurde als die Beispiele in der Infobroschüre. Wenn dir die erste Aufgabe besonders schwer vorkommt, bedeutet das nicht, dass alle 15 so schwer werden. Genau dann nicht festbeißen, sondern überspringen, markieren, weiter. Die nächste Aufgabe kann eine halbe Minute Routine sein.
Die Antwortoptionen als Hilfe nutzen
Ein oft unterschätzter Punkt: Die fünf Antwortmöglichkeiten enthalten selbst Information. Drei Anwendungen davon sind sehr ergiebig.
Größenordnung als Suchfilter. Liegen die Optionen alle dicht beieinander (z. B. 1,20 / 1,50 / 1,80 / 2,00 / 2,20 m²), musst du genau ablesen. Liegen sie weit auseinander (z. B. 36 / 56 / 73 / 93), reicht oft eine grobe Schätzung – ein Überschlag genügt, um die richtige Option zu treffen.
Aussage-Aufgaben durch Ausschluss lösen. Bei Fragen vom Typ „Welche Aussage ist zutreffend?” – wie Übungsaufgabe 2 – bist du fast immer schneller, wenn du nicht versuchst, die richtige Aussage direkt zu beweisen, sondern die vier falschen kippst. Eine offensichtlich falsche Aussage zu erkennen kostet meist nur einen Blick aufs Diagramm; die richtige zu beweisen würde alles im Detail prüfen.
Distraktor-Logik wahrnehmen. Wenn drei Antwortoptionen klar daneben liegen und nur zwei eng beieinander, sind diese zwei der eigentliche Kampf. Genau dort lohnt sich der zweite, präzise Lese-Durchgang am Diagramm – die anderen drei kannst du sofort streichen.
Was du aus diesem Unterkapitel mitnimmst
Eine Aufgabe in diesem Untertest läuft idealerweise so ab: Frage lesen → Achsen scannen → relevanten Teil isolieren → Grobwert schätzen → Antwort wählen. Dauert es länger als 30 Sekunden, bis du einen Plan hast, überspringst du. Du nutzt das transparente Lineal aktiv. Wenn dich eine Grafik verschüchtert, zerlegst du sie in fünf gesprochene Mini-Schritte. Und du lässt dich nicht davon beeindrucken, dass dieser Untertest in manchen Jahren als hart empfunden wurde – mit einer eingeübten Routine bist du deutlich ruhiger als die Hälfte des Saals.
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