Säuren, Basen, pH und pKs
Säure-Base-Chemie wirkt auf den ersten Blick einfach – „Säuren schmecken sauer, Basen seifig” – wird im Test aber überraschend schnell zur Stolperfalle, sobald pKs-Werte, Logarithmen und Begriffe wie „amphoter” ins Spiel kommen. In den Erfahrungsberichten tauchen genau diese Stichworte – pKs und amphoter – immer wieder auf. Auf dieser Seite bauen wir das Fundament so auf, dass du Säurestärke, Konzentration und pH-Wert sauber auseinanderhalten und einfache pH-Aufgaben in 40 Sekunden lösen kannst.
Brønsted: Säuren geben Protonen ab, Basen nehmen sie auf
Die in der Schule meist verwendete Definition stammt von Johannes Brønsted. Sie ist verblüffend kurz:
- Eine Säure ist ein Protonendonator – sie gibt ein H⁺-Ion (Proton) ab.
- Eine Base ist ein Protonenakzeptor – sie nimmt ein H⁺-Ion auf.
Das Schöne an dieser Definition: Säure und Base brauchen einander. Ohne jemanden, der das Proton aufnimmt, kann es niemand abgeben. Eine Säure-Base-Reaktion ist deshalb immer ein Protonenübergang zwischen zwei Partnern.
Das klassische Beispiel ist Essigsäure in Wasser:
\[ \underbrace{\text{CH}_3\text{COOH}}_{\text{Säure}} + \underbrace{\text{H}_2\text{O}}_{\text{Base}} \;\rightleftharpoons\; \underbrace{\text{CH}_3\text{COO}^-}_{\text{konj. Base}} + \underbrace{\text{H}_3\text{O}^+}_{\text{konj. Säure}} \]
Essigsäure gibt ein Proton ab, Wasser nimmt es auf. Übrig bleiben das Acetat-Ion (negativ geladen, weil ihm jetzt das H⁺ fehlt) und das Hydronium-Ion H₃O⁺ (das Proton hängt jetzt am Wasser).
Konjugierte Säure-Base-Paare
Schau dir die Gleichung oben noch einmal an: Auf jeder Seite steht ein Säure-Base-Paar, das sich nur durch ein Proton unterscheidet. Diese Pärchen heißen konjugierte Säure-Base-Paare.
| Säure | gibt H⁺ ab → | konjugierte Base |
|---|---|---|
| HCl | Cl⁻ | |
| CH₃COOH (Essigsäure) | CH₃COO⁻ (Acetat) | |
| NH₄⁺ (Ammonium) | NH₃ (Ammoniak) | |
| H₂O | OH⁻ | |
| H₃O⁺ | H₂O |
Eine starke Säure hat eine schwache konjugierte Base und umgekehrt. HCl gibt sein Proton praktisch komplett ab – Cl⁻ hat danach keinerlei Lust, das Proton zurückzunehmen, ist also eine extrem schwache Base. Acetat dagegen ist die konjugierte Base einer schwachen Säure und kann das Proton gut wieder aufnehmen – es ist eine merklich starke Base.
Stark vs. schwach – und was pKs damit zu tun hat
„Stark” und „schwach” beziehen sich nicht darauf, wie viel Säure du in der Flasche hast, sondern darauf, wie bereitwillig sie ihr Proton abgibt.
- Starke Säure: dissoziiert in Wasser praktisch vollständig. HCl + H₂O → H₃O⁺ + Cl⁻ – kein Gleichgewicht, einfacher Pfeil.
- Schwache Säure: dissoziiert nur teilweise. Ein Gleichgewicht stellt sich ein – die meisten Moleküle bleiben undissoziiert.
Quantifiziert wird das über die Säurekonstante Kₛ. Für eine einprotonige Säure HA mit dem Gleichgewicht HA + H₂O ⇌ A⁻ + H₃O⁺ gilt:
\[ K_S = \frac{[\text{A}^-]\cdot[\text{H}_3\text{O}^+]}{[\text{HA}]} \]
Je größer Kₛ, desto stärker liegt das Gleichgewicht auf der rechten Seite – desto stärker ist die Säure. Da Kₛ-Werte über viele Größenordnungen schwanken (von 10⁷ bis 10⁻⁵⁰), nutzt man den negativen dekadischen Logarithmus:
\[ \mathrm{p}K_S = -\log_{10} K_S \]
Großer pKs heißt schwache Säure, kleiner (oder negativer) pKs heißt starke Säure. Das Minuszeichen in der Definition kehrt die Richtung um. Wer das verinnerlicht hat, erspart sich im Test viel Zeit und Frust.
Die folgende Übersicht – an Schullehrbücher angelehnt, aber mit eigener Auswahl – zeigt typische Säuren auf einer pKs-Achse. Ganz links die starken, ganz rechts die schwachen.

Aus der Skala kannst du auch direkt ablesen, welche der konjugierten Basen besonders stark wäre: HCO₃⁻ (Hydrogencarbonat) ist die konjugierte Base von H₂CO₃ – aber gleichzeitig selbst eine schwache Säure (pKs ≈ 10,3), die in noch stärkere Basen wie OH⁻ übergeht. Solche Stoffe, die je nach Partner mal Säure, mal Base sein können, schauen wir uns gleich genauer an.
Konzentriert ist nicht dasselbe wie stark
Ein Schulklassiker, der im PhaST gerne überprüft wird:
- Stark / schwach beschreibt die Eigenschaft des Säuremoleküls – wie gerne es sein Proton loswird. Festgelegt durch pKs.
- Konzentriert / verdünnt beschreibt nur, wie viele Moleküle pro Liter in der Lösung sind. Festgelegt durch c₀.
Eine 0,001 mol/L HCl-Lösung ist stark verdünnt, aber chemisch eine starke Säure. Eine konzentrierte Essigsäure (Eisessig, fast pur) ist konzentriert, aber chemisch eine schwache Säure. Welcher pH-Wert dabei herauskommt, hängt von beiden Größen ab – Stärke und Konzentration.
Der pH-Wert – ein Logarithmus, an den man sich gewöhnen muss
Der pH-Wert misst, wie viele Hydronium-Ionen H₃O⁺ in einer Lösung schwimmen:
\[ \mathrm{pH} = -\log_{10}[\text{H}_3\text{O}^+] \]
Drei Eigenschaften, die du verinnerlichen solltest:
- Logarithmisch. Eine pH-Differenz von 1 bedeutet einen Faktor 10 in der H₃O⁺-Konzentration. pH 3 ist zehnmal saurer als pH 4 und hundertmal saurer als pH 5.
- Negativer Logarithmus. Niedriger pH = viele H₃O⁺ = sauer. Hoher pH = wenige H₃O⁺ = basisch.
- Wasser als Anker. Reines Wasser hat bei 25 °C pH = 7. Das ist neutral, weil [H₃O⁺] = [OH⁻] = 10⁻⁷ mol/L.
Analog gibt es für die Hydroxidionen den pOH = −log[OH⁻]. Da das Produkt [H₃O⁺]·[OH⁻] in Wasser bei 25 °C immer 10⁻¹⁴ beträgt (Ionenprodukt des Wassers), gilt die einfache Brücke:
\[ \mathrm{pH} + \mathrm{pOH} = 14 \]
Wenn du also weißt, dass eine Natronlauge pOH = 2 hat, ist der pH automatisch 12.

pH einer schwachen Säure berechnen
Bei einer starken Säure ist die Rechnung trivial: Die Säure dissoziiert vollständig, also ist [H₃O⁺] ≈ c₀ und damit pH ≈ −log c₀. Für 0,1 mol/L HCl: pH = 1.
Bei einer schwachen Säure liegt das Gleichgewicht weit links – nur ein kleiner Anteil dissoziiert. Die übliche Schulformel ist:
\[ \mathrm{pH} \approx \tfrac{1}{2}\,(\mathrm{p}K_S - \log c_0) \]
Voraussetzung: Die Säure ist einprotonig, c₀ nicht extrem klein, und der Dissoziationsgrad ist klein (Faustregel: pKs > ca. 4 und c₀ ≥ 10⁻³ mol/L).
Schau dir dazu unsere interne Übungsaufgabe 3 an: Essigsäure mit c₀ = 0,1 mol/L und pKs = 4,75. Eingesetzt:
\[ \mathrm{pH} \approx \tfrac{1}{2}\,(4{,}75 - \log 0{,}1) = \tfrac{1}{2}\,(4{,}75 + 1) = \tfrac{5{,}75}{2} \approx 2{,}88 \]
Die Lösung ist also pH ≈ 2,9. Vergleich: Eine gleich konzentrierte starke Säure hätte pH = 1 – also rund 80-mal mehr H₃O⁺-Ionen. Der pKs „bremst” die Dissoziation deutlich.
Im PhaST gibt es keinen Taschenrechner. Lerne deshalb die einfachen Logarithmen runder Zehnerpotenzen auswendig: log(10⁻ⁿ) = −n. Die meisten pH-Aufgaben lassen sich damit ohne weitere Rechnung lösen.
Wie sich starke und schwache Säuren bei verschiedenen Konzentrationen unterscheiden, macht das folgende Diagramm sichtbar. Es zeigt den pH-Wert in Abhängigkeit der Anfangskonzentration für eine starke Säure (z. B. HCl) und drei schwache Säuren mit unterschiedlichen pKs-Werten.

Drei Beobachtungen aus der Grafik, die du dir merken solltest:
- Die starke Säure folgt einer Geraden mit Steigung −1 (Verzehnfachung der Konzentration → pH sinkt um 1).
- Schwache Säuren reagieren viel schwächer auf Konzentrationsänderungen: Der pH ändert sich nur um 0,5 pro Faktor 10. Das ist die Folge der Wurzel im Term ½·(pKs − log c₀).
- Selbst eine sehr konzentrierte Lösung einer schwachen Säure bleibt deutlich über pH 1 – die Säure gibt einfach nicht alle Protonen ab.
Amphotere Stoffe: einmal Säure, einmal Base
Manche Teilchen können je nach Reaktionspartner ein Proton abgeben oder aufnehmen. Solche Stoffe heißen amphoter (von griech. amphi = beidseitig).
Das wichtigste Beispiel ist Wasser selbst: Gegenüber HCl wirkt es als Base (nimmt H⁺ auf), gegenüber NH₃ als Säure (gibt H⁺ ab). Weitere prominente Beispiele:
- HCO₃⁻ (Hydrogencarbonat): kann zu CO₃²⁻ deprotonieren (= Säure) oder zu H₂CO₃ protoniert werden (= Base).
- HSO₄⁻ (Hydrogensulfat): analog zwischen SO₄²⁻ und H₂SO₄.
- H₂PO₄⁻ und HPO₄²⁻: die mittleren Stufen der Phosphorsäure – beide amphoter.
- Aminosäuren: tragen sowohl eine –COOH-Gruppe (kann Proton abgeben) als auch eine –NH₂-Gruppe (kann Proton aufnehmen). Im Zwitterion liegt beides gleichzeitig vor.
Im Test gerne verwechselt: Amphoter beschreibt Säure-Base-Verhalten (Proton kann hin oder her). Amphiphil beschreibt Löslichkeit (Molekül hat einen wasserliebenden und einen fettliebenden Teil – wie Seife). Klingt ähnlich, meint aber etwas völlig anderes.
Erkennen kannst du amphotere Teilchen meistens daran, dass sie noch ein H haben und noch eine negative Ladung oder ein freies Elektronenpaar tragen. HCO₃⁻ zum Beispiel: Das H kann weg (→ CO₃²⁻), die negative Ladung kann ein H aufnehmen (→ H₂CO₃).
Typische Stolperfallen im Test
Diese Fehler tauchen erfahrungsgemäß immer wieder auf – und kosten in einem Test mit 40 Sekunden pro Frage echte Punkte.
| Stolperfalle | Was du dir merken musst |
|---|---|
| „Großer pKs = stark” | Genau umgekehrt. pKs ist ein negativer Logarithmus: kleiner = stärker. |
| Stark = konzentriert | Nein – stark beschreibt das Molekül, konzentriert die Lösung. |
| Vergessen, dass log(0,1) = −1 | Beim Einsetzen in pH-Formeln Vorzeichen prüfen, sonst kippt das Ergebnis um zwei pH-Einheiten. |
| pH und pOH verwechseln | Faustregel: pH < 7 → sauer; pOH < 7 → basisch (weil pH + pOH = 14). |
| Schwache Säure-Formel auf starke anwenden | Bei starker Säure einfach pH = −log c₀. Die ½-Formel würde hier falsche Werte liefern. |
| Amphoter = neutral | Falsch. Amphoter heißt nur „kann beides”, nicht „reagiert weder sauer noch basisch”. |
Bevor du eine pH-Antwort ankreuzt, prüfe das Vorzeichen der Logik: Säure → pH muss < 7 sein. Schwache Säure bei mäßiger Konzentration → pH meist zwischen 2 und 6. Eine Antwort wie „pH = 8 für 0,1 mol/L Essigsäure” kann nicht stimmen – ohne dass du irgendetwas rechnen musst.
Wenn du diese Grundlagen sicher beherrschst, ist dieser Aufgabentyp im PhaST machbar – die Erfahrungsberichte beschreiben Säure-Base-Fragen meist als „Standardstoff Oberstufe”. Die Punkte holst du dir hier mit Routine, nicht mit Spezialwissen.
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