Aufgabenformat und Darstellung am Bildschirm

Bevor du in die eigentliche Diagramm-Analyse einsteigst, lohnt sich ein Blick auf das Format selbst: Wie sind die Aufgaben aufgebaut, was siehst du am Bildschirm und welche Darstellungsformen wiederholen sich? Wenn dieses Gerüst sitzt, kannst du dich in der Prüfung sofort auf den Inhalt konzentrieren – statt deine Sekunden mit „wo finde ich was?” zu verbrennen.

Aufbau einer einzelnen Aufgabe

Jede Aufgabe in diesem Untertest folgt demselben Dreiklang: eine naturwissenschaftliche Abbildung oder Tabelle, eine präzise Fragestellung dazu und fünf Antwortoptionen (A bis E), von denen genau eine richtig ist. Mehr ist es nicht – aber genau dieses Trio bestimmt, wie du herangehen solltest.

Insgesamt erwarten dich 15 Aufgaben in 25 Minuten. Das sind im Schnitt etwa 100 Sekunden pro Aufgabe – genug, um die Grafik zu erfassen und zu lösen, aber zu wenig, um lange zu trödeln. Die Aufgaben sind voneinander unabhängig: Jede hat ihre eigene Abbildung, ihre eigene Frage. Es gibt keine Aufgabengruppen mit gemeinsamem Ausgangsmaterial.

So sieht der Bildschirm typischerweise aus:

Aufgabe 7 von 15 verbleibende Zeit: 14:32 Abbildung / Tabelle x-Achse mit Einheit Fragestellung: Welche der folgenden Aussagen ist anhand der Abbildung zutreffend? A) … B) … C) … D) … E) … Zurück Weiter Schematische Darstellung – die exakte Anordnung kann je nach Aufgabentyp leicht variieren.

Links die Abbildung, rechts Frage und Antwortoptionen mit Radio-Buttons – ein klassisches Single-Choice-Layout. Eingaben in die Grafik selbst sind nicht möglich: Du kannst keine Linien einzeichnen, keinen Text markieren, keine Stellen anklicken. Alles, was du brauchst, musst du visuell erfassen oder im Kopf bzw. auf deinem Notizpapier festhalten.

TipTipp: Durchsichtiges Lineal mitnehmen

Ein einfaches transparentes Lineal ist im Test erlaubt und gerade hier Gold wert: Du kannst es direkt an den Bildschirm halten, um waagerechte oder senkrechte Hilfslinien zu „ersetzen”, die du sonst eingezeichnet hättest. Mehrere Erfahrungsberichte erwähnen das ausdrücklich – besonders bei eng beschrifteten Tabellen und Nomogrammen.

Welche Darstellungsformen dich erwarten

Auch wenn jede Aufgabe inhaltlich anders aussieht, lassen sich die Abbildungen auf wenige Grundtypen reduzieren. Dieselben Formate begegnen dir auch in unseren internen Übungsaufgaben – das ist kein Zufall, sondern spiegelt das echte Repertoire des Tests.

Vier typische Darstellungsformen, die im Untertest immer wieder auftauchen – schematisch und ohne reale Daten.

(1) Klassisches kartesisches Diagramm. Eine x- und eine y-Achse, dazwischen eine Kurve, ein Streudiagramm oder einzelne Datenpunkte. Hier liest du in der Regel Werte ab oder beurteilst Verläufe. Es ist die einfachste Form – aber Achtung: Auch hier kann die Skalierung tückisch sein (logarithmisch, nicht-linear, ungleichmäßige Schritte).

(2) Nomogramm mit Iso-Linien. Eine besondere Variante des kartesischen Diagramms: Statt einer einzelnen Kurve zeigen mehrere parallele oder fächerförmige Linien jeweils einen konstanten Wert einer dritten Größe. Du suchst den Schnittpunkt deiner beiden Eingangswerte und liest die Iso-Linie ab, die am nächsten liegt. Genau so funktioniert Übungsaufgabe 1 mit dem BMI-Nomogramm: Körpergröße mal Körpergewicht ergibt einen Punkt, der auf einer der Diagonalen für BMI-Werte landet.

(3) Mehrkurvendiagramm. Mehrere Kurven in einem gemeinsamen Koordinatensystem, unterschieden durch Farbe und Legende. Hier prüfst du oft Aussagen („Liegt Kurve A nach 8 Stunden über Kurve B?“) und musst die Kurven gezielt vergleichen. Übungsaufgabe 2 zeigt das exemplarisch: drei Plasmaspiegel-Verläufe nach unterschiedlichen Applikationsformen, fünf Aussagen, eine ist richtig.

(4) Kombinierte Stufen-, Flächen- oder Balkendarstellungen. Komplexere Schaubilder, in denen mehrere Informationsschichten gleichzeitig codiert sind – oft mit Schraffuren, Farbflächen, doppelten Achsen oder treppenförmigen Bereichsgrenzen. Diese Form ist die anspruchsvollste, weil du mehrere Codes parallel entschlüsseln musst. Übungsaufgabe 3 ist genau so aufgebaut: Tumortodesfälle nach unten, Toxizitätstodesfälle nach oben, Überlebende dazwischen.

Klassische Tabellen. Daneben begegnen dir auch reine Tabellen mit mehreren Zeilen und Spalten – etwa Messwerte, Häufigkeiten oder Stoffeigenschaften. Sie haben kein Bild, aber dieselbe Struktur „Daten + Frage + 5 Optionen”. Schematisch:

Stoff Größe X (Einh.) Größe Y (Einh.) Bemerkung A12,40,87stabil B8,11,15stabil C15,90,42instabil D6,72,03stabil E11,20,99instabil

Bei Tabellen ist die Herausforderung weniger das Ablesen einzelner Zellen, sondern das systematische Vergleichen über Zeilen oder Spalten hinweg – etwa: „Welcher Stoff erfüllt gleichzeitig Bedingung X und Y?” Manche Erfahrungsberichte beschreiben Tabellen sogar als den unübersichtlichsten Teil dieses Untertests.

So liest du am Bildschirm – die Grundreihenfolge

Egal welcher Darstellungstyp dir begegnet, die Reihenfolge deines Vorgehens sollte immer dieselbe sein. Diese Reihenfolge spart dir Zeit, weil du nicht nachträglich zurückspringen musst, und sie verhindert die häufigsten Flüchtigkeitsfehler.

Schritt Was du anschaust Warum
1. Titel & Kontext Überschrift der Abbildung, ggf. der Aufgabentext darüber Worum geht es überhaupt? In welchem Setting?
2. Achsen Beschriftung x- und y-Achse, Einheiten, Pfeile Was wird gegen was aufgetragen?
3. Skala Anfangswert, Endwert, Schrittweite, ggf. nicht-lineare Skalierung Wo liegen die Werte überhaupt? Wie genau lese ich ab?
4. Legende Farben, Linientypen, Schraffuren, Symbole Welche Linie ist was?
5. Frage Erst jetzt die eigentliche Fragestellung lesen Du weißt jetzt, was du suchst – und siehst es schneller
6. Gezielte Suche Nur die für die Frage relevanten Stellen anvisieren Kein Verirren in irrelevanten Details

Diese Reihenfolge wirkt umständlich, dauert aber zusammen oft nur 15–20 Sekunden. Der Schlüssel ist Schritt 5: Erst die Grafik orientierend erfassen, dann die Frage lesen. Wer zuerst die Frage liest und dann erst auf die Grafik blickt, neigt dazu, sich an einer Detailstelle festzusaugen, ohne den Gesamtzusammenhang verstanden zu haben – und übersieht dann zum Beispiel eine logarithmische Achse oder eine zweite y-Achse.

ImportantWichtig: Achsen werden im echten Test gerne „getarnt”

Erfahrungsberichte aus 2023 sprechen wiederholt davon, dass die Diagramme im echten Test deutlich unübersichtlicher wirken können als in den offiziellen Beispielen – verzerrte Skalen, überlappende Beschriftungen, doppelte Achsen oder ungewöhnliche Einheiten. Wer Schritt 2 und 3 (Achsen + Skala) reflexhaft sauber abarbeitet, fällt auf solche Tarnungen nicht herein. Wer das überspringt, schon.

Das war die formale Seite – Aufbau, Layout, typische Darstellungsformen, Lesereihenfolge. Wie du Achsen, Skalen und Legenden dann konkret entschlüsselst, schauen wir uns im nächsten Unterkapitel im Detail an.

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