Erfahrungsberichte: Realität im Test, Unterschiede zwischen Jahrgängen und typische Überraschungen
Bevor du den Test schreibst, lohnt sich ein Blick auf das, was frühere Teilnehmende tatsächlich berichten. Die Erfahrungsberichte aus Online-Foren über mehrere Jahre hinweg zeichnen ein bemerkenswert konsistentes Grundbild – mit ein paar wichtigen Schwankungen zwischen den Jahrgängen. Wer das kennt, wird im Test seltener überrascht und kann seine Vorbereitung gezielter ausrichten.
Das Gesamtbild: einheitenlastig, zeitkritisch und „anders” als die Broschüre
Das mit Abstand häufigste Stichwort in den Berichten lautet Einheiten. Manche schreiben wörtlich von „sehr vielen Einheiten” oder sogar „sehr sehr sehr vielen Einheiten” – gemeint ist nicht ein einzelner Aufgabentyp, sondern eine Art roter Faden durch den ganzen Untertest: Größenordnungen erkennen, Präfixe (milli-, micro-, kilo- …) sicher umrechnen, unterschiedliche Schreibweisen ineinander überführen, Einheiten miteinander vergleichen.
Daneben werden vier Dinge auffallend oft genannt:
- Dreisatz und Prozentrechnung – fast jeder Bericht erwähnt sie.
- Formeln umstellen – also nicht nur eine Formel kennen, sondern sie nach jeder Größe auflösen können.
- Grundlegende Physikformeln – Geschwindigkeit, Dichte, Volumen, einfache Mechanik.
- Arbeit mit Graphen, vereinzelt auch e- und Logarithmusfunktion.
Ein zweiter roter Faden: Viele empfinden den echten Test als schwerer als die offizielle Beispielaufgaben aus der ITB-Broschüre, vor allem ab Jahrgang 2023. Die zugrunde liegenden Konzepte sind weiterhin Schulstoff, aber die konkrete Verpackung wirkt ungewohnt – und ohne Taschenrechner fühlt sich „eigentlich machbar” plötzlich anders an.

Die Grafik macht die Gewichtung deutlich: Einheiten, Dreisatz, Prozentrechnung und Formelumstellen bilden den Kern. Spezialthemen wie Logarithmen oder Akustik tauchen auf, aber selten – und nicht in jedem Jahrgang.
Wie die Jahrgänge sich unterschieden haben
Wer mehrere Jahre an Berichten nebeneinanderlegt, sieht ein klares Muster: Der Schwierigkeitsgrad schwankt – und auch, was genau überrascht hat.

Die Kurven sind keine Messdaten, sondern eine Verdichtung dessen, was in den Foren beschrieben wird. Der Trend lautet:
- 2020 / 2021: Inhalte wirken nahe an der Broschüre, der Untertest gilt als machbar. Bereits hier wird das Fehlen des Taschenrechners als der eigentlich anstrengende Faktor genannt.
- 2022: Ähnliches Bild, mit dem zusätzlichen Hinweis, dass Einheitenaufgaben „etwas komplizierter als im Schulbuch” wirken können.
- 2023: Mehrere Berichte beschreiben den Untertest deutlich härter als die Broschüre – Aufgabentypen seien „nicht wirklich vergleichbar”, manche wirkten „komisch”, es musste geraten werden. Einheitenvergleiche dominieren stark.
- 2024: Wieder etwas moderater, aber weiterhin spürbar über Broschüren-Niveau.
- 2025: Gemischte Berichte – ein Termin wurde als auffallend physiklastiger beschrieben (Empfehlung: Kinematik und Akustik anschauen), ein anderer Termin lag wieder dicht an der Broschüre.
Die Botschaft daraus ist nicht, dass der Test jedes Jahr neu erfunden wird. Sondern: Die Schwerpunktverteilung schwankt. Mal mehr Mathe, mal mehr Physik, mal mehr Logarithmen, mal mehr reine Einheitenarbeit. Wer breit vorbereitet ist, fängt Schwankungen ab.
Konkret berichtete Aufgabentypen
Aus den Erinnerungen ehemaliger Teilnehmender lassen sich einige typische Aufgabenarten herauslesen, die immer wieder genannt werden:
| Aufgabentyp | Was genau gefragt war (sinngemäß) |
|---|---|
| Einheitenvergleich | Welche der gegebenen Einheiten ist die kleinste / größte? Etwa Geschwindigkeiten in cm/s, km/s, cm/min nebeneinander. |
| Dichtevergleich | Vergleiche von Dichten in unterschiedlichen Einheitenkombinationen (z. B. g/m³ gegen kg/mm³). |
| Geschwindigkeitsumrechnung | Verschiedene Geschwindigkeitsangaben (m/s, m/h, km/s, dm/ms) ineinander überführen oder ordnen. |
| Dreisatz | Klassische Verhältnisaufgaben, oft eingebettet in einen kurzen Anwendungskontext. |
| Formel umstellen | Eine bekannte Beziehung nach einer anderen Größe auflösen. |
| Graphen lesen | Aus einem Funktionsgraphen Werte oder Zusammenhänge ablesen. |
| Logarithmus / Exponentialfunktion | Verhalten der Funktion abschätzen oder Näherungen erkennen. |
Wenn du jetzt zurück zu unserer internen Übungsaufgabe 2 (e-Funktion am Nullpunkt) und Übungsaufgabe 3 (freier Fall) im Kapitel Übungsaufgaben blickst, erkennst du genau diesen Stil wieder: kurze Frage, klare Struktur, im Kern Schulstoff – aber so verpackt, dass man genau lesen und sauber denken muss. Das ist der typische Modus dieses Untertests.
Was Teilnehmende wirklich überrascht hat
Drei Punkte tauchen in den Berichten als „damit hatte ich nicht gerechnet” auf:
1. Wie sehr das fehlende Hilfsmittel ins Gewicht fällt. Der Stoff ist eigentlich machbar – aber ohne Taschenrechner und unter Zeitdruck wirken auch einfache Aufgaben plötzlich anstrengend. Mehrere Berichte schildern, dass sie deshalb raten mussten, nicht weil sie das Fach nicht konnten.
2. Wie ungewohnt die Einheitenvergleiche aussehen können. Schulbuchaufgaben rechnen meist saubere m → cm um. Im Test stehen plötzlich kg/mm³ neben g/m³, oder dm/ms neben m/h. Wer die Präfixe nicht im Schlaf beherrscht, verliert hier viele Sekunden.
3. Wie wenig die Broschüre den Schwierigkeitsgrad abdeckt. Wer ausschließlich anhand der drei Beispielaufgaben aus der Infobroschüre kalibriert, läuft Gefahr, den realen Schwierigkeitsgrad zu unterschätzen. Das gilt besonders für die Jahrgänge ab 2023.
Die Sache mit Geometrie und Stochastik
Ein einzelner Erfahrungsbericht (Termin im Juni 2023) hält ausdrücklich fest, dass an jenem Testtag weder Geometrie noch Stochastik abgefragt wurden. Dieser Hinweis taucht in der Community immer wieder auf und wird oft als „dann brauche ich das gar nicht zu lernen” interpretiert. Das ist riskant.
Eine Aussage über einen Testtermin ist nicht dasselbe wie eine Aussage über alle Termine. Der PhaST zieht aus einem Aufgabenpool, der Schwerpunkt kann zwischen Terminen variieren. Dass an einem Tag keine Stochastik dabei war, heißt nicht, dass an deinem Tag keine kommt. Behandle solche Berichte als „eher selten” – nicht als „kommt nicht vor”. Geometrie- und Stochastikgrundlagen aus der Mittelstufe musst du nicht in der Tiefe können, aber du solltest sie nicht völlig ignorieren.
Warum manche auch ohne Spezialvorbereitung gut zurechtkamen
So einheitlich die Klagen über Einheitenlast und Zeitdruck sind, so deutlich gibt es auch die andere Seite: Mehrere Berichte beschreiben, dass die Verfasser gar keine gezielte Mathe-/Physik-Vorbereitung gemacht haben – und trotzdem ein gutes Ergebnis erzielten. Das hat einen wiederkehrenden Grund.
Viele Aufgaben lassen sich nicht nur mit auswendig gewussten Formeln lösen, sondern oft auch durch reines Verhältnisdenken. Wenn drei Größen gegeben sind und die vierte gesucht ist, lässt sich häufig per Proportion oder Dreisatz aufschlüsseln, was zu was gehört – auch ohne dass man die „offizielle” Schulformel parat hat. Genau dieses Denken trägt im Test überraschend weit.

Das erklärt auch, warum Berichte so unterschiedlich klingen: Wer zu früh aufgibt, sobald die „richtige” Formel nicht einfällt, lässt Punkte liegen, die mit ein bisschen Proportionsdenken erreichbar gewesen wären.
Was du daraus für deine Vorbereitung mitnimmst
Wenn man alle Berichte aus mehreren Jahren übereinanderlegt, bleibt eine ziemlich klare Empfehlung übrig:
Mache Einheiten und Präfixe zur Pflicht. Sie sind in fast jedem Jahrgang die Aufgaben-Nummer 1. Wer hier zögert, verliert Zeit – und Zeit ist im Test die kritischste Ressource.
Trainiere Dreisatz und Prozentrechnung explizit ohne Taschenrechner. Nicht mit hübschen Schulbuchzahlen, sondern mit krummen Werten und unter Zeitdruck.
Halte einfache Physikformeln präsent – Geschwindigkeit, Dichte, Volumen, einfache Mechanik, gerne auch Akustik und Kinematik. Tiefe Spezialkenntnisse brauchst du nicht.
Übe Verhältnisdenken als zweite Strategie für den Notfall: Wenn die Formel nicht da ist, frag dich, was zu was proportional ist.
Verlass dich nicht ausschließlich auf die Broschüre. Sie zeigt das Format zuverlässig, aber nicht zwingend den realen Schwierigkeitsgrad.
Wenn du diese fünf Punkte solide drauf hast, bist du auf das vorbereitet, was die Erfahrungsberichte über alle Jahrgänge hinweg konsistent als Kern dieses Untertests beschreiben. Den Rest – das eine Spezialthema, das in deinem Termin vielleicht extra gewichtet wird – wirst du auch nicht durch monatelanges Pauken vorhersagen können. Aber mit einer breiten, sauberen Basis stehst du jeder Schwerpunktverlagerung gelassen gegenüber.
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