Funktionen, Logarithmen, Exponentialfunktionen und Arbeit mit Graphen
In den Erfahrungsberichten taucht dieses Thema unter dem Stichwort „Arbeit mit Graphen” auf, oft mit dem expliziten Hinweis: e-Funktion und Logarithmus kamen dran. Keine Sorge – du brauchst hier keine Hochschulmathematik. Was du wirklich können musst, ist: einen Graphen anschauen, verstehen was dort wächst, fällt oder sich krümmt, und an einem charakteristischen Punkt eine einfache lineare Näherung nachvollziehen. Genau das bauen wir hier Schritt für Schritt auf.
Warum gerade Exponential- und Logarithmusfunktionen?
In der Pharmazie sind diese beiden Funktionstypen allgegenwärtig: Wirkstoffabbau im Plasma, radioaktiver Zerfall, pH-Werte, Verdünnungsreihen, enzymkinetische Gleichungen – fast alles, was „proportional zum aktuellen Bestand” geschieht, führt auf eine e-Funktion. Und alles, was sich über viele Größenordnungen erstreckt (pH von 1 bis 14, Konzentrationen von µmol/L bis mol/L), wird mit dem Logarithmus komprimiert lesbar gemacht.
Im PhaST geht es deshalb nicht darum, Ableitungen herzuleiten oder Integrale zu berechnen. Es geht darum, qualitativ zu verstehen, was eine Kurve macht – und an einem Punkt eine einfache geradlinige Näherung zu erkennen.
Exponentialfunktionen: Wachstum und Zerfall
Die Funktion \(f(x) = e^x\) ist die „natürliche” Exponentialfunktion. Die Zahl \(e \approx 2{,}718\) ist eine mathematische Konstante – wichtig zu merken: \(e^0 = 1\), denn jede Zahl hoch null ist eins. Daraus ergibt sich der charakteristische Punkt \((0\,|\,1)\), durch den der Graph immer geht.
Zwei Varianten musst du sicher unterscheiden:
| Funktion | Verhalten | Beispiel aus der Pharmazie |
|---|---|---|
| \(e^{+x}\) | wächst mit \(x\), immer schneller | exponentielles Bakterienwachstum |
| \(e^{-x}\) | fällt mit \(x\), immer langsamer | Wirkstoffabbau, radioaktiver Zerfall |

Beide Kurven berühren nie die x-Achse: \(e^{-x}\) wird beliebig klein, erreicht aber nie null (das nennt man eine Asymptote). Bei \(e^{+x}\) verhält es sich gespiegelt für negative \(x\). Diese Eigenschaft ist im Test eine beliebte Falle – frage dich immer: Kann der Funktionswert hier wirklich null werden?
Der Logarithmus – die Rückwärtsfrage
Viele bekommen beim Wort „Logarithmus” Berührungsängste. Dabei steckt nur eine simple Frage dahinter:
„Mit welcher Hochzahl muss ich die Basis nehmen, um den Wert zu bekommen?“
Beispiele zum Aufwärmen:
- \(\log_{10}(1000) = 3\), weil \(10^3 = 1000\)
- \(\log_{10}(0{,}01) = -2\), weil \(10^{-2} = 0{,}01\)
- \(\ln(1) = 0\), weil \(e^0 = 1\)
- \(\ln(e) = 1\), weil \(e^1 = e\)
Der natürliche Logarithmus \(\ln(x)\) ist der Logarithmus zur Basis \(e\) – er ist die Umkehrfunktion zu \(e^x\). Das bedeutet: Was die e-Funktion macht, macht \(\ln\) rückgängig, und umgekehrt. Geometrisch: Der Graph von \(\ln(x)\) ist die an der Winkelhalbierenden \(y = x\) gespiegelte Version von \(e^x\).

Wichtig zu merken:
- \(\ln(x)\) ist nur für \(x > 0\) definiert – negative Werte oder Null sind tabu.
- \(\ln(1) = 0\) – das ist der Schnittpunkt mit der x-Achse.
- Für \(x < 1\) ist \(\ln(x)\) negativ, für \(x > 1\) positiv.
- \(\ln\) wächst extrem langsam: zwischen \(x = 1\) und \(x = 1000\) steigt \(\ln\) nur von \(0\) auf etwa \(6{,}9\).
Diese drei Rechenregeln decken fast alles ab, was du im Testkontext brauchst:
\[\ln(a \cdot b) = \ln(a) + \ln(b) \qquad \ln\!\left(\tfrac{a}{b}\right) = \ln(a) - \ln(b) \qquad \ln(a^n) = n \cdot \ln(a)\]
Merke: Logarithmen verwandeln Mal in Plus und Hoch in Mal. Mehr Regelwerk brauchst du im Test nicht.
Graphen qualitativ lesen: Monotonie und Krümmung
Bei vielen PhaST-Aufgaben musst du gar nicht rechnen, sondern nur richtig hingucken. Dafür gibt es zwei Schlüsselbegriffe:
Monotonie beschreibt die Richtung: Steigt die Kurve (monoton steigend) oder fällt sie (monoton fallend)?
Krümmung beschreibt, wie sie steigt oder fällt: Wird der Anstieg immer steiler (linksgekrümmt, „konvex”, wie eine Schüssel von oben gesehen) oder flacht er ab (rechtsgekrümmt, „konkav”, wie ein Hügel)?

Übersetzt für unsere beiden Hauptfunktionen:
- \(e^{+x}\): steigend, linksgekrümmt – der Anstieg wird immer wuchtiger.
- \(e^{-x}\): fallend, linksgekrümmt – fällt anfangs schnell, flacht dann ab.
- \(\ln(x)\): steigend, rechtsgekrümmt – wächst immer langsamer.
Wenn dir im Test ein Graph präsentiert wird, dessen Beschriftung schwer zu lesen ist, identifiziere ihn an Monotonie und Krümmung. Das geht in zwei Sekunden und schließt drei von fünf Antworten oft schon aus.
Funktionswert ist nicht Steigung
Eine der häufigsten Verwechslungen im Testkontext: Funktionswert \(f(x_0)\) und Steigung \(f'(x_0)\) sind zwei verschiedene Dinge.
- Der Funktionswert sagt: Wo ist die Kurve gerade? (Höhe über der x-Achse)
- Die Steigung sagt: Wie schräg läuft sie gerade? (Anstiegswinkel)
Bei \(f(x) = e^{-x}\) am Punkt \(x = 0\):
- Funktionswert: \(f(0) = e^0 = 1\) → die Kurve ist auf Höhe \(1\).
- Steigung: \(f'(0) = -e^0 = -1\) → die Kurve fällt mit Steigung \(-1\) (also um eine Einheit nach unten pro Einheit nach rechts).
Das sind zwei voneinander unabhängige Informationen, und beide werden für die Näherung gebraucht.
Lineare Näherung – eine Gerade statt einer Kurve
Hier kommen wir zum Herzstück dieser Seite. Die Idee ist verblüffend einfach:
In einer kleinen Umgebung um einen Punkt sieht jede glatte Kurve fast aus wie eine Gerade.
Wenn du in einen Funktionsgraphen extrem hineinzoomst, verschwindet die Krümmung – übrig bleibt eine schräge Linie. Diese Linie ist die Tangente im Punkt. Sie ist eindeutig festgelegt durch zwei Angaben:
- den Funktionswert an der Stelle (der Punkt, durch den sie geht),
- die Steigung an der Stelle (die Schräge der Linie).
In Formel: \(f(x) \approx f(x_0) + f'(x_0)\cdot(x - x_0)\) für \(x\) nahe \(x_0\).
Schau dir dazu unsere interne Übungsaufgabe 2 an: \(f(x) = e^{-x}\) in der Nähe von \(x_0 = 0\). Wir haben oben schon ausgerechnet: \(f(0) = 1\) und \(f'(0) = -1\). Eingesetzt:
\[e^{-x} \approx 1 + (-1)\cdot(x - 0) = 1 - x\]
Das ist die richtige Antwort der Übungsaufgabe (Option C). Visualisieren wir das:

Bei \(x = 0{,}1\) liefert die Näherung \(1 - 0{,}1 = 0{,}9\); der echte Wert ist \(e^{-0{,}1} \approx 0{,}905\) – Abweichung unter einem Prozent. Bei \(x = 1\) gibt die Näherung \(0\), die Wahrheit ist \(e^{-1} \approx 0{,}37\) – jetzt ist die Näherung unbrauchbar. Lokale Näherungen sind eben lokal.
Selbst wenn dir Ableitungen unangenehm sind: Du kannst die richtige Näherung oft per Plausibilitätstest herausfischen. Drei Checks reichen:
- Punktcheck: Setze \(x = x_0\) in die vorgeschlagene Näherung ein. Sie muss den Funktionswert \(f(x_0)\) ergeben. Bei \(e^{-x}\) und \(x_0 = 0\) heißt das: Die Näherung muss bei \(x = 0\) den Wert \(1\) liefern. Damit fallen sofort alle Optionen weg, die das nicht tun (z. B. „\(\approx x\)” oder „\(\approx -x\)” geben bei \(x=0\) den Wert \(0\) – falsch).
- Richtungscheck: Geht die echte Funktion bei \(x_0\) nach oben oder unten? \(e^{-x}\) fällt – also muss die Näherung eine negative Steigung haben. „\(1 + x\)” steigt → falsch. Bleibt „\(1 - x\)“.
- Größenordnungstest: Setze einen kleinen Wert wie \(x = 0{,}1\) ein und vergleiche grob.
Mit diesen drei Schritten löst du Näherungsaufgaben in unter einer Minute, ohne eine einzige Ableitung formal zu bilden.
Das gleiche Prinzip für \(\ln\) in der Nähe von 1
Die Methode funktioniert für jede glatte Funktion an jedem Punkt. Beim natürlichen Logarithmus ist der natürliche „Andockpunkt” \(x_0 = 1\), weil dort \(\ln(1) = 0\) und die Steigung den schönen Wert \(1\) hat. Daraus ergibt sich für \(x\) nahe \(1\):
\[\ln(x) \approx x - 1\]
Setze \(\varepsilon = x - 1\) (also wie weit man neben \(1\) liegt), wird das Ganze noch kompakter: \(\ln(1 + \varepsilon) \approx \varepsilon\) für kleine \(\varepsilon\). Das ist genau die Form, die in pharmazeutischen Verdünnungsformeln auftaucht, wenn der Lösungsmittelanteil nahe \(100\,\%\) liegt.
Die Symmetrie zur e-Funktion-Näherung ist kein Zufall: Weil \(\ln\) und \(e^x\) Spiegelbilder sind, sind auch ihre Tangenten in den jeweils gespiegelten Punkten Spiegelbilder.
Achsenbeschriftungen ernst nehmen
Eine Stolperfalle, die in Erfahrungsberichten immer wieder genannt wird: logarithmische Achsen. Manche Diagramme im Test zeigen die y-Achse nicht linear, sondern in Zehnerschritten (\(1, 10, 100, 1000, \dots\)). Auf so einer Achse erscheint eine echte e-Funktion als gerade Linie – das ist gewollt, weil es Wachstum bequem erkennbar macht.
Faustregel für den Schnellcheck:
- Stehen auf der y-Achse Werte wie \(0, 1, 2, 3\) → lineare Achse, normales Lesen.
- Stehen Werte wie \(10^0, 10^1, 10^2\) oder \(1, 10, 100, 1000\) → logarithmische Achse, eine Geradensteigung bedeutet exponentielles Verhalten.
Wer das verwechselt, deutet einen langweilig wachsenden Graphen versehentlich als linear, obwohl er in Wahrheit explosiv steigt.
Was du nach dieser Seite sicher können solltest
Ein knapper Selbstcheck: Wenn du den Inhalt sitzen hast, kannst du auf einen Blick beantworten, ob ein Graph eine e-Funktion oder einen Logarithmus zeigt; du kennst die festen Punkte \((0\,|\,1)\) für \(e^{\pm x}\) und \((1\,|\,0)\) für \(\ln\); du unterscheidest sicher Funktionswert und Steigung; und du baust aus beiden Angaben in einer Zeile eine lineare Näherung der Form \(f(x_0) + f'(x_0)\cdot(x - x_0)\) – ohne große Rechenmaschinerie. Genau dieses Werkzeugset reicht für die typischen PhaST-Fragen zu Graphen, e- und Logarithmusfunktionen aus.
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