Überblick: Was im Untertest Mathematik und Physik geprüft wird

Bevor du dich in Formeln, Einheiten oder Schaltungen stürzt, lohnt sich ein Schritt zurück: Was genau misst dieser Untertest eigentlich? Wer das einmal sauber verstanden hat, lernt zielgerichteter und vermeidet die zwei häufigsten Vorbereitungsfehler – nämlich entweder die komplette Oberstufe in Mathe und Physik nachzuholen oder den Bereich als „bisschen Schulstoff“ zu unterschätzen. Beides geht erfahrungsgemäß schief.

Der formale Rahmen auf einen Blick

Der Untertest „Mathematik und Physik“ ist einer der kürzesten Bausteine im PhaST – aber einer der dichtesten. Du bekommst 15 Multiple-Choice-Aufgaben mit jeweils fünf Antwortoptionen (A–E), von denen genau eine richtig ist, und hast dafür 15 Minuten Zeit. Im Durchschnitt bleibt dir also rund eine Minute pro Aufgabe, inklusive Lesen, Rechnen, Antwortauswahl. Ein Taschenrechner ist nicht erlaubt – alles läuft schriftlich oder im Kopf.

Zeitstruktur des Untertests: 15 Aufgaben hintereinander, im Schnitt eine Minute pro Aufgabe.

Diese eine Minute klingt erst einmal nach viel, ist es aber nicht – sobald du eine Einheitenumrechnung mit drei Zwischenschritten oder eine Formelumstellung vor dir hast, vergeht sie überraschend schnell. Genau das ist der eigentliche Schwierigkeitsgrad dieses Untertests: nicht der Stoff, sondern das Tempo.

ImportantWichtig: Eine Minute ist ein Mittelwert, kein Limit pro Aufgabe

Manche Aufgaben löst du in 20 Sekunden (z. B. eine reine Einheitenumrechnung), andere brauchen 90 Sekunden. Niemand erwartet, dass du jede Aufgabe in exakt 60 Sekunden bearbeitest – aber du musst ein Gefühl dafür entwickeln, wann du eine Aufgabe markierst und weitergehst, statt dich festzubeißen. Dazu mehr im Strategie-Unterkapitel.

Was wirklich geprüft wird – und was nicht

Die offizielle Beschreibung sagt: „grundlegende Schulkenntnisse aus Mathematik und Physik“. Das klingt harmlos, ist aber präzise gemeint. Geprüft wird das, was in der Mittel- und frühen Oberstufe Standard ist – und zwar in seiner angewandten, rechnerischen Form, nicht als Theoriewissen. Du musst keine Beweise führen, keine Differentialgleichungen lösen, keine Vektorrechnung im Detail beherrschen.

Stattdessen geht es um eine ganz bestimmte Mischung aus Können und Routine, die man am besten als „quantitatives Denken unter Zeitdruck“ beschreibt:

  • Du erkennst, in welcher Größenordnung sich ein Ergebnis bewegen muss.
  • Du rechnest sauber ohne Hilfsmittel – mit Brüchen, Zehnerpotenzen, einfachen Wurzeln und Logarithmen.
  • Du stellst einfache Formeln um und siehst, welche Größe von welcher abhängt.
  • Du vergleichst Einheiten und entscheidest schnell, welche kleiner oder größer ist.
  • Du erkennst physikalische Grundkonzepte wieder, ohne dass dir jede Spezialformel auswendig vorliegt.

Die folgende Übersicht zeigt, wo der Test tatsächlich hinzielt – und wo nicht. Das hilft, die Vorbereitung richtig zu kalibrieren.

Inhaltlicher Zuschnitt des Untertests: angewandtes Schulwissen aus Mittel- und früher Oberstufe – kein Hochschul- oder Spezialwissen.

Konkret heißt das: Wer noch weiß, wie ein Dreisatz funktioniert, wie man \(1{,}2\ \text{g/cm}^3\) in \(\text{kg/m}^3\) umrechnet und was \(F = m \cdot a\) aussagt, hat das fachliche Fundament im Wesentlichen schon. Es geht nicht darum, dieses Wissen zu vergrößern, sondern es so zu automatisieren, dass du es unter Zeitdruck zuverlässig abrufst.

Drei typische Aufgabenarten

Damit du eine Vorstellung bekommst, wie unterschiedlich die 15 Aufgaben sein können, hier ein Blick auf drei kognitiv sehr verschiedene Typen, die im Test typischerweise gemischt vorkommen. Wir nutzen dafür unsere internen Übungsaufgaben (siehe QUELLE 3 / Unterkapitel „Aufgabenformat“) als Referenz – die offiziellen Beispielaufgaben der ITB-Broschüre folgen demselben Muster, sind aber urheberrechtlich geschützt.

Typ Was du tust Beispiel
Rechenformel anwenden Eine bekannte Formel direkt einsetzen, Werte zusammenrechnen Gesamtwiderstand einer Parallelschaltung aus drei Einzelwerten
Funktionsverhalten erkennen Aus einem Graphen oder einer Funktion ableiten, wie sich ein Ausdruck nahe eines Punktes verhält Lineare Näherung von \(e^{-x}\) nahe \(x \approx 0\)
Konzepte sauber unterscheiden Aussagen logisch prüfen, häufig verwechselte Größen auseinanderhalten Beim freien Fall: Welche Aussage über Masse, Gewicht und Fallstrecke ist falsch?

Du siehst: Der Test mischt Rechnen, Funktionsverständnis und konzeptionelles Denken. Wer nur stur Formeln auswendig lernt, kommt bei den Konzeptaufgaben ins Stolpern – und wer nur Konzepte versteht, scheitert am Rechentempo. Beides muss zusammenkommen.

Warum „Schulstoff“ nicht „leicht“ heißt

Das ist der Punkt, an dem viele angehende Pharmaziestudierende sich verschätzen. Aus Erfahrungsberichten der letzten Jahre kristallisieren sich drei Gründe heraus, warum dieser Untertest trotz schulnaher Inhalte bei vielen ungemütlich wird:

Erstens: kein Taschenrechner. Eine Rechnung wie \(\tfrac{1}{6} + \tfrac{1}{12} + \tfrac{1}{4}\) (siehe unsere Übungsaufgabe 1 zur Parallelschaltung) ist mathematisch trivial – aber im Kopf, unter Zeitdruck, ohne Stift-und-Papier-Routine, wird sie zur Fehlerquelle. Mehrere Teilnehmer berichten, dass sie diesen Teil gerade deswegen als schwierig empfanden, nicht wegen des Stoffs.

Zweitens: Einheiten- und Größenordnungslastigkeit. Aus den Erfahrungsberichten kommt das Wort „Einheiten“ häufiger zurück als jedes andere. Vergleiche wie „welche dieser Geschwindigkeiten ist die kleinste?“ zwischen \(10\ \text{cm/s}\), \(1\ \text{km/s}\) und \(20\ \text{cm/min}\) wirken simpel – sind aber genau dann tückisch, wenn du Präfixe und Sekunde-vs-Minute nicht im Sekundentakt umrechnen kannst.

Drittens: ungewohnte Verpackung. Mehrere Berichte beschreiben die Aufgaben als „etwas schwerer als in der Infobroschüre“ und „nicht ganz vergleichbar“ mit den Beispielen. Das heißt nicht, dass der Stoff anders ist – es heißt, dass die Frageformulierung und der Aufgabenkontext im echten Test variabler sind, als die Broschüre vermuten lässt. Wer nur stur Beispielaufgaben memoriert, ist nicht ausreichend vorbereitet.

ImportantWichtig: Zwei klassische Vorbereitungsfehler

Fehler 1 – Überpräparation: „Ich muss den ganzen Oberstufenstoff in Physik nochmal lernen.“ Falsch. Du brauchst breite Sicherheit auf Mittelstufenniveau, kein Tiefenwissen. Wer Physik-LK-Stoff paukt, vergeudet Zeit, die in Kopfrechnen, Dreisatz und Einheiten viel besser investiert wäre.

Fehler 2 – Unterschätzung: „Das ist doch nur Schulstoff, das kann ich.“ Auch falsch. Ohne Taschenrechner, unter Zeitdruck, mit ungewohnten Einheitenkombinationen wird selbst sicheres Schulwissen plötzlich wackelig. Trainiere Tempo und Routine, nicht nur die Inhalte.

Die zugrundeliegende Kompetenz: angewandtes quantitatives Denken

Wenn man die Erfahrungsberichte und das offizielle Material zusammen liest, kristallisiert sich ein gemeinsamer Kern heraus. Der Untertest misst nicht primär „Wissen“, sondern eine Anwendungskompetenz:

Kannst du eine quantitativ formulierte Frage aus einem naturwissenschaftlichen Kontext aufnehmen, das passende Rechenwerkzeug erkennen und in begrenzter Zeit zu einer plausiblen Zahl kommen?

Das ist genau die Fähigkeit, die du im Pharmaziestudium dauernd brauchst – bei Dosierungen, Konzentrationsberechnungen, kinetischen Gleichungen, pH-Berechnungen. Deshalb steht dieser Bereich im PhaST: nicht weil die spezifischen Aufgaben pharmazeutisch sind, sondern weil die Denkweise dahinter es ist.

Was im Rest dieses Kapitels passiert

Mit dieser Einordnung im Kopf bauen wir das Modul jetzt systematisch auf. Die folgenden Unterkapitel adressieren genau die Kompetenzbereiche, die hier umrissen wurden:

  • Aufgabenformat & Bildschirmansicht – wie sieht eine Frage am Testtag konkret aus?
  • Grundrechnen, Dreisatz, Prozent, Verhältnisse – das mathematische Rückgrat, ohne das nichts geht.
  • Einheiten, SI-Präfixe, Größenordnungen – der Bereich, der laut Erfahrungsberichten am häufigsten kippt.
  • Formeln anwenden, umstellen, mit Dimensionsanalyse prüfen – wie du auch unbekannte Formeln entschlüsselst.
  • Mechanik, Elektrizität, Akustik & Wellen – die drei physikalischen Themengebiete, in denen Aufgaben am häufigsten auftauchen.
  • Funktionen, Logarithmen, Exponentialfunktionen, Graphen – inklusive der typischen Näherungen, wie sie in Übungsaufgabe 2 vorkommen.
  • Typische Fehler, Strategie, Vorbereitung, Erfahrungsberichte – wie du das Ganze unter realen Testbedingungen zusammenbringst.
TipTipp: Mach diesen Test zu deinem stillen Stärkenfeld

Anders als bei Modulen wie „Verknüpfung komplexer Daten“ oder „Räumliches Denken“ ist „Mathematik und Physik“ ein Bereich, in dem gezielte, kurze Übungseinheiten spürbare Verbesserungen bringen. Zwei bis drei Wochen mit täglichem Kopfrechnen, Einheitenumrechnen und Probeaufgaben unter Zeitdruck reichen den meisten, um aus „unsicher“ ein solides „zuverlässig“ zu machen. Die Fortschritte sind hier oft schneller sichtbar als in Modulen, die reine Wahrnehmungsleistung prüfen – nutze das.

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