Wertung, Standardwerte und Ergebnisinterpretation

Nach dem Test stehst du irgendwann vor deinem Ergebnisblatt – und dort steht nicht „85 % richtig” oder „72 von 100 Punkten”, sondern Zahlen wie 102, 111 oder 118. Wer das System nicht kennt, fragt sich sofort: Ist das gut? Ist das schlecht? Diese Seite klärt, wie aus deiner Bearbeitung am Testtag ein interpretierbares Ergebnis wird, was die einzelnen Zahlen bedeuten und welche Fehlinterpretationen dir auf gar keinen Fall passieren dürfen.

Keine Minuspunkte – die wichtigste Wertungsregel überhaupt

Im PhaST gibt es keinen Punktabzug für falsche Antworten. Eine richtige Antwort bringt einen Punkt, eine falsche Antwort bringt null Punkte – genau wie eine leere Antwort. Das hat eine direkte praktische Konsequenz: Wenn die Zeit eines Untertests zu Ende geht und noch Aufgaben unbeantwortet sind, rate. Auch blind. Statistisch gewinnst du im Mittel Punkte, statt sie zu verlieren, und bei vielen Aufgaben kannst du durch Ausschlussverfahren ohnehin die Trefferquote auf 1:3 oder 1:2 verbessern.

ImportantWichtig: Niemals leer abgeben

Eine unbeantwortete Aufgabe ist mathematisch immer schlechter als eine geratene. Selbst bei fünf Antwortoptionen liegt die Ratewahrscheinlichkeit bei 20 % – und das ist mehr als 0 %. Plane dir am Ende jedes Untertests bewusst 30 Sekunden ein, um restliche Felder durchzuklicken.

Drei Zahlen, die nicht dasselbe sind: Rohpunkte, Standardwert, Prozentrang

Das Ergebnis besteht aus drei logisch sehr unterschiedlichen Größen, die Lernende oft durcheinanderbringen. Halte sie sauber auseinander:

Größe Was misst sie? Beispiel
Rohpunktzahl Wie viele Aufgaben du im Modul richtig hattest. „11 von 15 Aufgaben richtig”
Standardwert Wie deine Leistung im Vergleich zu allen Teilnehmenden steht – auf einer fairen, jahresunabhängigen Skala. „Standardwert 112”
Prozentrang Welcher Anteil der Teilnehmenden schlechter abgeschnitten hat als du. „Prozentrang 88 → 88 % waren schlechter”

Auf deinem Ergebnisblatt erscheinen vor allem Standardwert und Prozentrang – die Rohpunkte spielen für die Hochschulen keine Rolle, weil sie zwischen verschiedenen Testjahrgängen nicht vergleichbar wären (in einem Jahr ist eine Aufgabe vielleicht etwas leichter, im nächsten etwas schwerer).

Der Standardwert: Mittelwert 100, Standardabweichung 10

Der Standardwert ist eine umgerechnete Zahl, die deine Leistung relativ zur Gesamtgruppe ausdrückt. Die Skala ist so normiert, dass der Durchschnitt aller Teilnehmenden bei 100 liegt und die Standardabweichung 10 beträgt. Was heißt das konkret?

  • Wer genau auf dem Mittelwert liegt, bekommt 100. Das ist nicht „schlecht”, sondern „durchschnittlich für die Gruppe der Pharmazie-Bewerber:innen”.
  • Eine Verschiebung um 10 Punkte = eine Standardabweichung. Da Testergebnisse näherungsweise normalverteilt sind, lassen sich daraus die ungefähren Anteile direkt ablesen.

Die folgende Grafik zeigt diese Verteilung samt der Bereiche, in die typische Standardwerte fallen:

Glockenkurve der Standardwerte: Die meisten Teilnehmenden liegen zwischen 90 und 110, die wirklich starken Ergebnisse beginnen bei 110 und werden ab 120 selten.

Aus dieser Verteilung ergeben sich die wichtigsten Daumenwerte fürs spätere Einordnen deines Ergebnisses:

Standardwert Bedeutung Ungefährer Anteil, der darunter liegt
100 exakt durchschnittlich 50 %
110 klar überdurchschnittlich (eine SD über Mittel) ca. 84 %
120 sehr stark (zwei SD über Mittel) ca. 98 %
130 absolutes Spitzenergebnis ca. 99,9 %

Ein Standardwert von 111 bedeutet also nicht „du hattest 111 % richtig” (was ohnehin keinen Sinn ergäbe), sondern: Du gehörst zu den oberen ~16 % der Teilnehmenden.

Der Prozentrang – die intuitive Schwester des Standardwerts

Während der Standardwert eine abstrakte Skala ist, übersetzt der Prozentrang dasselbe in eine sehr alltagsnahe Aussage:

Prozentrang 88 heißt: 88 % aller Teilnehmenden haben schlechter abgeschnitten als du. Du gehörst zum oberen Achtel.

Standardwert und Prozentrang messen genau dasselbe – sie sind nur zwei Sprachen für dieselbe Information. Der Vorteil des Standardwerts: Er ist auf einer linearen Skala mit gleichen Abständen, was ihn für Hochschulen rechnerisch handhabbar macht (z. B. um 30 % Gewichtung im Auswahlverfahren zu berechnen). Der Vorteil des Prozentrangs: Er ist sofort verständlich.

ImportantWichtig: Prozentrang ≠ „Prozent richtig”

Das ist der häufigste Denkfehler. „Prozentrang 80” bedeutet nicht, dass du 80 % der Aufgaben richtig hattest. Es bedeutet: 80 % der Mitprüflinge waren schlechter als du. Du könntest theoretisch nur die Hälfte der Aufgaben richtig gehabt haben und trotzdem einen hohen Prozentrang erreichen – wenn die anderen ähnlich abgeschnitten haben.

Modulwerte und Gesamtwert – warum beides auf dem Ergebnisblatt steht

Auf dem Ergebnisblatt findest du nicht nur eine Zahl, sondern einen Standardwert pro Modul (also einen für „Biologie”, einen für „Räumliches Denken”, einen für „Textverständnis” usw.) plus einen Gesamt-Standardwert.

Der Gesamtwert ist dabei nicht einfach das arithmetische Mittel deiner Modulwerte, sondern wird selbst noch einmal über alle Teilnehmenden hinweg standardisiert (Mittelwert 100, SD 10). Er ist die Zahl, die im Auswahlverfahren der meisten Hochschulen verwendet wird.

Die Modulwerte sind trotzdem wichtig, weil sie:

  • dir zeigen, wo deine Stärken und Schwächen lagen,
  • dir bei einem zweiten Versuch helfen, gezielter zu lernen,
  • in seltenen Fällen von einzelnen Hochschulen zusätzlich beachtet werden können.

Ein typisches Ergebnisblatt sieht inhaltlich (nicht layout-genau) so aus:

Beispielhafter Aufbau eines Ergebnisblatts Modul Standardwert Prozentrang Biologie 108 79 Chemie 114 92 Mathematik und Physik 105 69 Räumliches Denken 96 34 Textverständnis 112 88 … (weitere Module) Gesamtwert 109 82 Beispielwerte zur Veranschaulichung – kein reales Ergebnis

Die Modulwerte streuen erfahrungsgemäß stärker als der Gesamtwert: Auf 14 Aufgaben pro Modul wirkt sich jede einzelne richtige Antwort relativ stark aus, während sich diese Schwankungen über den Gesamttest hinweg ausmitteln. Ein einzelner schwacher Modulwert (z. B. 96) drückt deinen Gesamtwert deshalb meist weniger, als man fürchtet.

So liest du dein Ergebnis – ein durchgespieltes Beispiel

Angenommen, dein Gesamt-Standardwert ist 111, dein Prozentrang 86. Was lässt sich daraus konkret ableiten?

  • Du liegst etwas mehr als eine Standardabweichung über dem Mittel – das ist messbar überdurchschnittlich.
  • 86 % der Teilnehmenden haben schlechter abgeschnitten; du gehörst also zum oberen Siebtel.
  • In den meisten Hochschulauswahlverfahren wird ein solcher Wert deine Zulassungschancen spürbar verbessern – besonders dann, wenn die Hochschule den PhaST mit 30 % gewichtet (siehe Kapitel Bedeutung des PhaST für Zulassung und Bewerbung).
NoteHinweis: Der Bezug ist die Bewerbergruppe, nicht die Allgemeinbevölkerung

Der Standardwert vergleicht dich mit anderen Pharmazie-Bewerber:innen – also einer ohnehin schon vorselektierten, motivierten und in den Naturwissenschaften interessierten Gruppe. Eine 100 hier ist deshalb anspruchsvoller als eine 100 in einem Test, der die gesamte Bevölkerung abdeckt. Lass dich von einer 100 also nicht entmutigen.

Warum auch ein „nicht perfektes” Ergebnis zählt

Zwei Punkte, die viele unterschätzen:

Erstens verbessert der PhaST in der Regel deine Zulassungschancen, ohne sie verschlechtern zu können. Selbst ein durchschnittliches Ergebnis schadet nicht; es kann an Hochschulen, die den Test in der Eignungsquote (ZEQ) zu 100 % gewichten, sogar ohne Top-Abi zu einem Studienplatz führen. In der Community sind durchaus Fälle dokumentiert, in denen Bewerber:innen mit eher schwacher Abiturnote über den PhaST einen Platz bekamen.

Zweitens sind die Aufgaben des PhaST bewusst so dimensioniert, dass niemand alles schafft. Das ist kein Designfehler, sondern Absicht: Nur so lässt sich auch im oberen Leistungsbereich noch differenzieren. Wenn du nach dem Test das Gefühl hast, „nicht alles geschafft” zu haben – willkommen im Klub. Genau deshalb misst der Standardwert dich relativ zu allen anderen, nicht gegen ein perfektes Ideal.

Wann bekomme ich mein Ergebnis?

Nach dem Testtag erfolgt zunächst die zentrale Auswertung beim ITB, in der die Rohpunkte aller Teilnehmenden eingesammelt, in Standardwerte umgerechnet und in Prozentränge übersetzt werden. Diese Standardisierung kann erst geschehen, wenn die Daten aller Testorte vorliegen.

In der Regel steht dein Ergebnis innerhalb von etwa zehn Werktagen nach dem Testtermin in deinem Benutzerkonto auf der ITB-Plattform zum Download bereit. Plane das in deinen Bewerbungszeitplan ein – insbesondere, wenn du Bewerbungsfristen bei Hochschulstart oder bei einzelnen Hochschulen einhalten musst.

TipTipp: Ergebnisblatt direkt nach Erhalt sichern

Lade die PDF-Datei deines Ergebnisses sofort herunter, sobald sie im Konto erscheint, und speichere sie an mindestens zwei Orten (Cloud + lokal). Du brauchst sie für jede Bewerbung – und nichts ist ärgerlicher, als sie kurz vor Fristende suchen zu müssen.

Die wichtigsten Merksätze für die Ergebnisinterpretation

Wenn du nur drei Dinge mitnimmst, dann diese:

  1. Standardwert 100 = Durchschnitt der Bewerber:innen, nicht „50 % richtig”. Die Skala vergleicht dich mit anderen, nicht mit einem absoluten Maßstab.
  2. +10 Standardwert ≈ eine Standardabweichung. 110 = obere ~16 %, 120 = obere ~2 %.
  3. Prozentrang ≠ Prozent richtig. Prozentrang 80 heißt: 80 % der anderen waren schlechter – nicht: 80 % der Aufgaben richtig.

Mit diesem Raster kannst du dein Ergebnis ruhig und realistisch einordnen, statt aus dem Bauch heraus zu erschrecken oder dich falsch zu beruhigen.

Feedback

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