Überblick: Was im Untertest geprüft wird

Im Untertest Textverständnis geht es nicht um literarisches Interpretieren oder um eine pharmazeutische Wissensprüfung im engeren Sinn. Geprüft wird, wie schnell und genau du naturwissenschaftliche Sachtexte erfassen, ihre zentralen Aussagen ordnen und daraus folgerichtig schlussfolgern kannst. Genau diese Mischung aus schnellem Lesen und logischem Verarbeiten macht den Charakter des Moduls aus – und ist auch der Grund, warum viele Teilnehmende den Test nicht inhaltlich, sondern zeitlich als anspruchsvoll empfinden.

Worum geht es in diesem Untertest?

Du bekommst mehrere kurze Fachtexte aus dem naturwissenschaftlichen Spektrum vorgelegt – inhaltlich meistens aus der Biologie, häufig mit medizinischem Bezug: Hormone und Regelkreise, Genetik, Stoffwechsel, Zellbiologie, Blut und Immunsystem. Zu jedem Text beantwortest du mehrere Multiple-Choice-Fragen, jeweils mit fünf Antwortoptionen (A–E), von denen genau eine richtig ist.

Die Fragen sind so konstruiert, dass sich die richtige Antwort ausschließlich aus dem Text selbst ableiten lässt. Vorwissen ist nicht verboten – es kann dir helfen, Fachvokabular schneller zu erkennen –, aber es ist nicht der Schlüssel zur Lösung. Wer im Test versucht, aus dem Gedächtnis zu antworten, statt sich an den Text zu halten, fällt regelmäßig auf Distraktoren herein, die “biologisch plausibel” klingen, im Text aber gar nicht so stehen.

Die offiziellen Rahmendaten

Der Block ist PC-basiert und folgt einem festen Zeitkorsett:

Merkmal Wert
Format Multiple-Choice (A–E), Einfachauswahl
Anzahl Aufgaben 15
Bearbeitungszeit 25 Minuten
Zeit pro Aufgabe (rechnerisch) ca. 1 min 40 s
Textverteilung mehrere kurze Texte, je mehrere Fragen
Hilfsmittel Papier und Stift erlaubt; Markieren am Bildschirm nicht möglich

Wie genau die 15 Aufgaben auf die Texte verteilt sind, schwankt zwischen den Testjahrgängen. Erfahrungsberichte sprechen von etwa drei bis fünf Texten mit jeweils zwei bis fünf Fragen – manchmal sehr gleichmäßig (z. B. fünf Texte mit je drei Fragen), manchmal eher unregelmäßig. Verlasse dich also nicht auf ein starres Muster.

Schematische, beispielhafte Aufteilung der 15 Aufgaben auf vier Kurztexte – die tatsächliche Verteilung kann variieren.

Die Grafik zeigt nur ein Beispielmuster. Wichtig ist die Botschaft: Du planst nicht “X Minuten pro Text”, sondern denkst in Fragen pro Minute. Ein Text mit fünf Fragen darf logischerweise mehr Zeit beanspruchen als einer mit zwei – das Zeitbudget richtet sich nach Aufgaben, nicht nach Texten.

Was wirklich geprüft wird – und was nicht

Hier liegt die häufigste Fehlannahme bei Abiturient:innen mit unterschiedlichem Vorwissen. Manche denken, sie müssten viel Pharmazie- oder Biologiewissen auswendig parat haben. Andere unterschätzen den Test umgekehrt und gehen davon aus, es reiche, einzelne Sätze im Text wiederzufinden. Beides geht an der Sache vorbei.

✓ Was geprüft wird • Schnelles Erfassen von Fachtexten • Trennen von Kern- und Nebenaussagen • Logisches Schlussfolgern aus Textfakten • Kombinieren mehrerer Textstellen • Anwenden von Regeln auf neue Fälle • Umgang mit Fachvokabular im Kontext • Konzentration unter Zeitdruck ✗ Was NICHT geprüft wird • Auswendig gelerntes Pharmaziewissen • Definitionen ohne Textbezug • Reines „Satz im Text wiederfinden” • Literarisches/stilistisches Lesen • Persönliche Meinungen oder Interpretation • Rechnen mit Taschenrechner • Externes Spezialwissen aus dem Studium

Die Aufgaben verlangen praktisch immer einen kleinen gedanklichen Schritt über den Text hinaus – innerhalb dessen, was der Text logisch hergibt. Schau dir dazu unsere interne Übungsaufgabe zur Blutzuckerregulation an (Kapitel “Schlussfolgern und Kombinieren aus dem Text”): Eine Frage lautet sinngemäß, was passiert, wenn die A-Zellen zerstört werden. Im Text steht das nicht direkt. Was im Text steht: A-Zellen produzieren Glukagon, Glukagon hebt den Blutzucker. Den Schluss, dass ein Wegfall der A-Zellen damit eher zu niedrigerem Blutzucker führt, musst du selbst ziehen. Genau das ist der Charakter dieser Fragen: Aus zwei oder drei Textinformationen wird durch logisches Verbinden eine neue Aussage – und die ist die Lösung.

ImportantWichtig: “Im Text gegeben” heißt nicht “wörtlich abgeschrieben”

Die richtige Antwort steht so gut wie nie wortgleich im Text. Sie ist eine Folgerung aus dem Text. Antwortoptionen, die wörtlich aus einem Satz übernommen wirken, sind oft genau deshalb falsch, weil sie in einem leicht verschobenen Kontext stehen. Lies die Antworten daher immer mit der Frage im Kopf, nicht mit dem Textbild.

Warum Zeit das eigentliche Nadelöhr ist

Inhaltlich beschreiben viele Teilnehmende die Texte als gut bewältigbar – manchmal sogar als kürzer und klarer als die Beispieltexte aus der offiziellen Broschüre. Was den Untertest hart macht, ist nicht der Schwierigkeitsgrad einzelner Fragen, sondern der Takt: Knapp 100 Sekunden pro Aufgabe inklusive Lesen, Verstehen, Antwortenvergleich und Anklicken.

Schematische Aufteilung der knapp 100 Sekunden pro Aufgabe – konkrete Werte sind illustrativ, nicht offiziell.

Diese Aufschlüsselung ist eine illustrierende Schätzung, kein offizieller Wert – aber sie macht plastisch, warum es nicht reicht, “einfach gut zu lesen”. Wer beim ersten Durchlesen jeden Satz auswerten will, hat schon verloren. Erfahrungsberichte sind hier ungewöhnlich einig: Viele schaffen die Aufgaben inhaltlich, aber nicht alle in der Zeit. Eine Person aus 2025 schreibt schlicht, sie habe “schnell lesen” trainieren müssen und am Testtag nicht alle Texte fertig bekommen.

Erschwerend kommt hinzu, dass du den Text am Bildschirm nicht markieren kannst. Kein Unterstreichen, kein Einkreisen, keine Farbcodes. Auf Papier darfst du Notizen machen – das ist erlaubt und in den Erfahrungsberichten ausdrücklich empfohlen –, aber du musst dir die Notizmethode vorher zurechtlegen, sonst kostet sie selbst Zeit. Dieser Bildschirm-Aspekt wird im Unterkapitel “Aufgabenformat und Darstellung am PC” detailliert behandelt.

Einordnung im Gesamttest

Der PhaST setzt sich aus mehreren Untertests zusammen, die unterschiedliche Kompetenzen ansteuern – räumliches Denken, Rechnen, Stoffanalyse, Regelanwendung und so weiter. Innerhalb dieses Spektrums ist Textverständnis der sprachlich-analytische Untertest: Er prüft, ob du fachsprachlich verfasste Information schnell aufnimmst und denkend weiterverarbeitest. Diese Kompetenz ist im Pharmaziestudium dauerhaft gefragt – Fachartikel, Beipackzettel, Studienprotokolle, Vorlesungsskripte sind nichts anderes als dichte naturwissenschaftliche Texte unter Zeitdruck.

NoteHinweis: Verwandtschaft zum TMS – aber kein Klon

Wenn du TMS-Material kennst: Der PhaST-Textteil erinnert vom Anspruch her am ehesten an den TMS-Untertest “Medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis” – kurze, dichte Fachtexte mit Anwendungsfragen –, weniger an das klassische TMS-“Textverständnis”, das längere, eher allgemeine Texte enthält. TMS-Material ist als Trainingsgrundlage trotzdem brauchbar; mehr dazu im Kapitel “Vorbereitung”.

Was du nach diesem Überblick mitnehmen solltest: Textverständnis im PhaST ist kein Wissenstest und kein Lesetest im Schulsinn, sondern ein zeitkritischer Test auf wissenschaftliches Lesen plus logisches Schließen. Die richtige Antwort liegt immer im Text – aber selten direkt an der Oberfläche. Und das eigentliche Spielfeld, auf dem hier gewonnen oder verloren wird, ist nicht der Schwierigkeitsgrad der Inhalte, sondern dein Tempo.

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