Zweck, Entstehung und Verbreitung des PhaST
Wenn du dich für Pharmazie bewirbst, stößt du früher oder später auf den PhaST – und auf die Frage, warum es diesen Test überhaupt gibt. Die Antwort ist erstaunlich klar und beginnt mit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Auf dieser Seite klären wir, woher der Test kommt, wer dahintersteht, warum er sich so schnell durchgesetzt hat und weshalb sich eine ernsthafte Vorbereitung tatsächlich lohnt.
Warum es den PhaST überhaupt gibt
Bis 2017 war die Abiturnote in den meisten Fächern das zentrale Auswahlkriterium für stark nachgefragte Studiengänge wie Medizin oder Pharmazie. Das Problem: Ein Abi-Schnitt von 1,4 in Thüringen ist nicht zwangsläufig dieselbe Leistung wie ein 1,4er-Schnitt in Hamburg oder Bayern. Die Abiturprüfungen, Anrechnungsmodi und Notenverteilungen unterscheiden sich zwischen den Bundesländern teils erheblich. Wer nur die Note vergleicht, vergleicht in Wahrheit Äpfel mit Birnen.
Genau das hat das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil vom 19. Dezember 2017 zur Vergabe von Medizin-Studienplätzen beanstandet. Die Konsequenz für Bund und Länder: Es muss neben der Abiturnote ein zusätzliches, fachbezogenes Auswahlkriterium geben, das unabhängig vom Schulsystem misst, wie geeignet eine Bewerberin oder ein Bewerber für genau diesen Studiengang ist. Für Medizin gab es dafür bereits den TMS – für Pharmazie gab es nichts Vergleichbares. Diese Lücke schließt der PhaST (Pharmazie-Studieneignungstest).
Der PhaST ist kein verkleideter Abi-Test. Er prüft gezielt Kompetenzen, die für ein Pharmaziestudium relevant sind: räumliches Vorstellungsvermögen für Moleküle, Umgang mit chemischen und pharmazeutischen Daten, präzises Arbeiten unter Zeitdruck, Verständnis komplexer Regeln. Genau diese Kompetenzen lassen sich aus einer Abiturnote oft nicht ablesen – egal in welchem Bundesland sie entstanden ist.
Wer hinter dem Test steht
Entwickelt und durchgeführt wird der PhaST von zwei Akteuren, die eng zusammenarbeiten:
- Das ITB Consulting (Institut für Test- und Begabungsforschung) in Bonn ist der wissenschaftliche Träger. Das ITB ist seit Jahrzehnten auf Studieneignungstests spezialisiert und entwickelt unter anderem auch den TMS für die Medizin. Die Testtheorie, Aufgabenkonstruktion, Auswertung und Validierung liegt dort.
- Die drei Gründungsuniversitäten Freiburg, Tübingen und Heidelberg haben den PhaST gemeinsam mit dem ITB initiiert. Sie waren die ersten, die ihn ab Wintersemester 2020/21 im Auswahlverfahren eingesetzt haben.
Diese Konstellation – ein methodisch erfahrenes Testinstitut plus ein universitäres Konsortium – ist wichtig für die Akzeptanz: Der Test ist nicht das Privatprodukt einer einzelnen Hochschule, sondern ein gemeinsam getragenes Instrument, das deutschlandweit eingesetzt werden kann.
Vom Pilotprojekt zum bundesweiten Standard
Der erste PhaST fand zur Bewerbungsrunde fürs Wintersemester 2020/21 statt – mitten in der Pandemie und mit einer überschaubaren Teilnehmerzahl. Schon im Folgejahr stieg die Beteiligung deutlich, und vor allem schlossen sich immer mehr Pharmazie-Standorte an. Inzwischen nutzt die große Mehrheit der deutschen Pharmazie-Universitäten den PhaST im Auswahlverfahren.

Die schnelle Verbreitung hat einen einfachen Grund: Sobald eine kritische Masse an Hochschulen den Test akzeptiert, profitieren auch alle anderen davon, ihn ebenfalls zu nutzen. Bewerber legen den Test ohnehin ab, die Hochschulen erhalten ein zusätzliches, vergleichbares Auswahlkriterium – und müssen dafür nichts selbst entwickeln.

Zu den teilnehmenden Universitäten zählen unter anderem Berlin, Bonn, Düsseldorf, Frankfurt, Freiburg, Heidelberg, Jena, Kiel, Leipzig, Marburg, München (LMU), Münster, Regensburg, Saarbrücken, Tübingen und Würzburg. Welche Hochschule den Test wie stark gewichtet, sehen wir uns später im Kapitel zur Bedeutung für Zulassung und Bewerbung im Detail an.
Nicht jede Pharmazie-Uni nutzt den PhaST. An einigen Standorten kommen stattdessen andere Tests zum Einsatz – zum Beispiel der TMS in Braunschweig oder der HAM-Nat-Block in Hamburg/Greifswald. Wenn du einen ganz bestimmten Studienort im Blick hast, lohnt ein Blick in dessen aktuelle Auswahlordnung. Den Vergleich mit TMS, EMS und HAM-Nat behandeln wir in einem eigenen Unterkapitel.
Warum der PhaST mehr ist als ein kurzfristiger Trend
Eine berechtigte Frage vieler Bewerber lautet: „Lohnt sich die Vorbereitung überhaupt – oder ist der PhaST in zwei Jahren wieder weg?” Drei Argumente sprechen klar dagegen.
Erstens: Der rechtliche Hintergrund ist stabil. Das Verfassungsgerichtsurteil verpflichtet die Länder dauerhaft zu einem zusätzlichen Auswahlkriterium. Solange dieses Urteil gilt, brauchen die Hochschulen ein Instrument wie den PhaST – einen anderen vergleichbaren Pharmazietest gibt es schlicht nicht.
Zweitens: Der Test funktioniert. Nach Angaben des ITB ist der PhaST reliabel (Teilnehmer mit ähnlichen Fähigkeiten erreichen ähnliche Ergebnisse) und valide in Bezug auf den Studienerfolg. Das heißt: Wer im PhaST gut abschneidet, schneidet im Schnitt auch im Pharmaziestudium besser ab – und zwar deutlicher, als sich aus der Abiturnote allein vorhersagen ließe. Genau das ist das Argument, mit dem Hochschulen den Test in ihren Auswahlordnungen verankert haben.

Drittens: Die Hochschulen haben investiert. Auswahlordnungen ändern, Verträge mit dem ITB schließen, Testtermine in den Jahresplan integrieren – das ist Aufwand. Eine Hochschule schafft so etwas nicht für ein Jahr. Die Tatsache, dass mittlerweile die überwältigende Mehrheit der Pharmazie-Standorte den Test nutzt, ist selbst das stärkste Indiz für seine Etablierung.
Ein zentrales Missverständnis: Manche Bewerber befürchten, ein mittelmäßiges PhaST-Ergebnis könnte ihre Bewerbung schaden. Das ist falsch. Der PhaST kann deine Zulassungschancen nur verbessern oder unverändert lassen, nie verschlechtern. Ein Verzicht auf die Vorbereitung ist trotzdem eine schlechte Idee – denn umgekehrt gilt: Wer den Test gut absolviert, kann mit einem schwächeren Abi-Schnitt einen Platz bekommen, den er ohne PhaST nie erreicht hätte. Erfahrungsberichte aus der Community dokumentieren genau solche Fälle, sogar mit 3,x-Schnitten.
Was das für deine Vorbereitung bedeutet
Aus dem Hintergrund ergeben sich zwei pragmatische Konsequenzen, die du für die nächsten Wochen mitnehmen solltest:
- Der Test ist gekommen, um zu bleiben. Jede Stunde Vorbereitung zahlt nicht in einen kurzfristigen Trend ein, sondern in ein Instrument, mit dem du an fast jedem deutschen Pharmazie-Standort rechnen kannst.
- Der Test wurde gebaut, um zu unterscheiden. Anders als eine Schulklausur ist der PhaST so kalibriert, dass nicht alle Aufgaben in der Zeit lösbar sind und nicht alle Teilnehmer ein Top-Ergebnis erreichen können. Das ist kein Designfehler, sondern der Punkt: Erst durch diese Spreizung entsteht der Mehrwert für die Auswahl. Nimm das nicht persönlich, wenn du im Übungstest nicht alles schaffst – das geht allen so, und der Test ist genau dafür gemacht.
Wie der Test im Detail aufgebaut ist, welche Module dich erwarten und wie der Testtag praktisch abläuft, schauen wir uns in den folgenden Unterkapiteln an.
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