Grundrechnen, Dreisatz, Prozentrechnung und Verhältnisdenken

Wenn Erfahrungsberichte zum PhaST-Mathe-Teil eines klar machen, dann das: Es ist weniger der hochkomplexe Stoff, der dich ins Schwitzen bringt, sondern das ständige „War das jetzt mal Drei oder geteilt durch Drei?“ unter Zeitdruck und ohne Taschenrechner. Genau hier setzen wir an. Auf dieser Seite baust du das rechnerische Fundament auf, mit dem du dich später durch Mischungen, Dosierungen und physikalische Aufgaben pflügst, ohne ins Schleudern zu kommen.

Dezimalzahlen, Brüche und Anteile – dieselbe Sache in drei Sprachen

Die wichtigste Einsicht zuerst: \(\frac{1}{4}\), \(0{,}25\) und \(25\,\%\) sind dasselbe. Wer diese drei Schreibweisen flüssig ineinander übersetzt, hat im Test einen massiven Geschwindigkeitsvorteil – denn je nach Aufgabe ist mal die eine, mal die andere Form leichter zu rechnen.

Bruch Dezimal Prozent
\(\tfrac{1}{2}\) \(0{,}5\) \(50\,\%\)
\(\tfrac{1}{3}\) \(0{,}\overline{3} \approx 0{,}33\) \(33{,}\overline{3}\,\%\)
\(\tfrac{1}{4}\) \(0{,}25\) \(25\,\%\)
\(\tfrac{1}{5}\) \(0{,}2\) \(20\,\%\)
\(\tfrac{1}{8}\) \(0{,}125\) \(12{,}5\,\%\)
\(\tfrac{2}{3}\) \(0{,}\overline{6} \approx 0{,}67\) \(66{,}\overline{6}\,\%\)
\(\tfrac{3}{4}\) \(0{,}75\) \(75\,\%\)

Diese Tabelle solltest du auswendig im Kopf haben. Wenn in einer Aufgabe „\(0{,}75\ \text{L}\)” auftaucht, denkst du sofort „drei Viertel Liter” – und multiplizieren mit \(\tfrac{3}{4}\) ist häufig viel einfacher, als \(\cdot 0{,}75\) schriftlich zu rechnen.

Bruchrechnen – die Minimalregeln, die du im Schlaf können musst:

  • Multiplizieren: Zähler mal Zähler, Nenner mal Nenner. \(\tfrac{2}{3} \cdot \tfrac{4}{5} = \tfrac{8}{15}\).
  • Dividieren: Mit dem Kehrwert multiplizieren. \(\tfrac{2}{3} : \tfrac{4}{5} = \tfrac{2}{3} \cdot \tfrac{5}{4} = \tfrac{10}{12} = \tfrac{5}{6}\).
  • Addieren/Subtrahieren: Erst gleichnamig machen (gemeinsamer Nenner), dann nur die Zähler addieren. \(\tfrac{1}{6} + \tfrac{1}{4} = \tfrac{2}{12} + \tfrac{3}{12} = \tfrac{5}{12}\).
  • Vor dem Multiplizieren immer kürzen, was sich kürzen lässt – das spart unter Zeitdruck Rechenfehler.
ImportantWichtig: Vor dem Rechnen kürzen

Statt \(\tfrac{36}{48} \cdot \tfrac{8}{9}\) stur durchzumultiplizieren (\(288 / 432\) – viel Spielraum für Fehler), erst alles wegkürzen: \(36\) und \(9\) haben gemeinsam \(9\) → wird zu \(4\) und \(1\); \(48\) und \(8\) haben gemeinsam \(8\) → wird zu \(6\) und \(1\). Übrig bleibt \(\tfrac{4}{6} = \tfrac{2}{3}\). Dasselbe Ergebnis, ohne mit dreistelligen Zahlen zu hantieren.

Verhältnisse: Wenn nur die Relation zählt

Ein Verhältnis \(a : b\) sagt dir nicht, wie groß \(a\) und \(b\) einzeln sind – nur wie sie zueinander stehen. Mischst du eine Lösung im Verhältnis \(1 : 4\) (Wirkstoff zu Lösungsmittel), kannst du das umsetzen mit \(1\,\text{g} + 4\,\text{g}\) oder \(25\,\text{g} + 100\,\text{g}\) – das Verhältnis bleibt gleich.

Für den Test ist eine Übersetzung besonders wichtig: Aus dem Verhältnis \(1 : 4\) folgt, dass der Wirkstoff nicht \(\tfrac{1}{4}\) der Mischung ausmacht, sondern \(\tfrac{1}{1+4} = \tfrac{1}{5} = 20\,\%\). Dieser Fehler – Verhältnis mit Bruch zu verwechseln – ist ein Klassiker.

Links das Verhältnis als „so viele zu so vielen Teilen”; rechts der daraus berechnete Anteil am Gesamten – aus 1 : 4 wird 20 % zu 80 %, nicht 25 % zu 75 %.

Dreisatz: Aus drei Größen die vierte erschließen

Der Dreisatz ist das wichtigste rechnerische Werkzeug für diesen Test – Erfahrungsberichte erwähnen ihn jahrgangsübergreifend an erster Stelle. Die Idee ist simpel: Du kennst drei zusammenhängende Werte und willst den vierten ermitteln.

Entscheidend ist, vor dem Rechnen die Art des Zusammenhangs zu erkennen, denn davon hängt ab, ob du multiplizierst oder dividierst.

Direkter (proportionaler) Zusammenhang

Mehr von dem einen → mehr von dem anderen, im selben Verhältnis. Doppelt so viele Tabletten enthalten doppelt so viel Wirkstoff. Drei Mal so weit fahren bei gleicher Geschwindigkeit dauert drei Mal so lang.

Beispiel: \(7\) Tabletten enthalten zusammen \(1{,}05\,\text{g}\) Wirkstoff. Wie viel Wirkstoff stecken in \(12\) Tabletten?

Vorgehen in drei Schritten:

  1. Auf eine Einheit normieren: \(7\ \text{Tabletten} \to 1{,}05\,\text{g}\), also \(1\ \text{Tablette} \to 1{,}05 / 7 = 0{,}15\,\text{g}\).
  2. Auf den gesuchten Wert hochrechnen: \(12 \cdot 0{,}15\,\text{g} = 1{,}80\,\text{g}\).
  3. Plausibilitätscheck: \(12\) ist etwas mehr als das \(1{,}7\)-fache von \(7\), also sollte das Ergebnis etwas mehr als das \(1{,}7\)-fache von \(1{,}05\,\text{g}\) sein – das passt.

Indirekter (umgekehrt proportionaler) Zusammenhang

Mehr von dem einen → weniger von dem anderen, sodass das Produkt konstant bleibt. Doppelt so schnell fahren halbiert die Fahrzeit. Doppelt so viele Apotheker erledigen denselben Auftrag in der halben Zeit.

Beispiel: \(4\) Mitarbeitende brauchen \(9\) Stunden, um eine Charge abzufüllen. Wie lange brauchen \(6\) Mitarbeitende für dieselbe Charge?

Hier wäre es falsch, zu rechnen „pro Person mehr eine Stunde länger”. Stattdessen bleibt das Produkt konstant: \(\text{Personen} \cdot \text{Zeit} = 4 \cdot 9 = 36\ \text{Personenstunden}\). Mit \(6\) Personen folgt \(6 \cdot t = 36 \Rightarrow t = 6\ \text{Stunden}\).

Links eine Gerade durch den Ursprung – typisch für direkte Proportionalität: Verdopplung von x verdoppelt y. Rechts eine Hyperbel – typisch für indirekte Proportionalität: Verdopplung von x halbiert y.
TipTipp: Verdopplungs-Test im Kopf

Bevor du rechnest, frag dich: *„Wenn ich die eine Größe verdopple, wird die andere doppelt so groß oder halb so groß?“* Bei „doppelt so groß” → direkt proportional, multiplizieren mit dem Verhältnis. Bei „halb so groß” → indirekt proportional, Produkt der beiden Größen ist konstant. Diese eine Frage rettet dich vor der häufigsten Dreisatz-Falle.

Prozentrechnung: drei Größen, ein Dreieck

Prozent heißt nichts anderes als „von hundert”. \(30\,\%\) von etwas ist \(\tfrac{30}{100}\) davon, also \(0{,}30\) mal der Wert. Damit ist Prozentrechnung in Wahrheit bloß Bruchrechnung mit einer hübschen Schreibweise.

Hinter jeder Prozentaufgabe stehen drei Größen:

  • Grundwert \(G\) – das „Ganze”, auf das sich der Prozentsatz bezieht.
  • Prozentwert \(W\) – der Anteil als absolute Zahl.
  • Prozentsatz \(p\) – der Anteil in Prozent.

Die einzige Formel, die du brauchst:

\[W = G \cdot \frac{p}{100}\]

Daraus lässt sich nach jeder der drei Größen umstellen. Drei Fragetypen, ein Schema:

Gesucht Gegeben Rechnung Beispiel
\(W\) (Prozentwert) \(G\), \(p\) \(W = G \cdot \tfrac{p}{100}\) \(15\,\%\) von \(80\,\text{mg}\) = \(12\,\text{mg}\)
\(p\) (Prozentsatz) \(W\), \(G\) \(p = \tfrac{W}{G} \cdot 100\) \(12\,\text{mg}\) von \(80\,\text{mg}\) = \(15\,\%\)
\(G\) (Grundwert) \(W\), \(p\) \(G = \tfrac{W \cdot 100}{p}\) \(12\,\text{mg}\) sind \(15\,\%\) von \(80\,\text{mg}\)

Schnelle Tricks für den Kopf

Statt blind die Formel anzuwenden, lohnen sich Zerlegungen über „bekannte Prozente”:

  • \(10\,\%\): Komma um eine Stelle nach links. \(10\,\%\) von \(340\) sind \(34\).
  • \(1\,\%\): Komma um zwei Stellen nach links. \(1\,\%\) von \(340\) sind \(3{,}4\).
  • \(50\,\%\): Halbieren. \(50\,\%\) von \(340\) sind \(170\).
  • \(25\,\%\): Vierteln (= zweimal halbieren). \(25\,\%\) von \(340\) sind \(85\).

Aus diesen Bausteinen setzt du fast jeden Prozentsatz im Kopf zusammen. Beispiel: \(35\,\%\) von \(80\)? Das sind \(25\,\% + 10\,\% = 20 + 8 = 28\). Oder \(15\,\%\) von \(60\)? Das sind \(10\,\% + 5\,\% = 6 + 3 = 9\).

Prozent vs. Prozentpunkt – die Lieblingsfalle

Eine Wirkstoffkonzentration steigt von \(4\,\%\) auf \(5\,\%\). Was ist passiert?

  • Sie ist um einen Prozentpunkt gestiegen (\(5 - 4 = 1\)).
  • Sie ist um 25 Prozent gestiegen, denn \(\tfrac{5 - 4}{4} = 25\,\%\).

Beides ist richtig – beschreibt aber zwei völlig verschiedene Dinge. Prozentpunkte sind die Differenz zweier Prozentsätze. Prozent ist die relative Änderung. Im Test taucht das gerne in Formulierungen auf wie „Anteil stieg um 20 % auf 24 %” – Vorsicht: ist hier „auf” gemeint (also \(24\,\%\) ist der neue Wert) oder „um” (also $24,% > $ alter Wert)?

Derselbe Anstieg von 4 % auf 5 % beschrieben in zwei Sprachen: ein Prozentpunkt absolut, aber 25 Prozent relativ. Im Test musst du sehr genau lesen, welche Größe gemeint ist.

Erhöhungen und Senkungen elegant rechnen

Wenn ein Wert um \(20\,\%\) steigt, ist der neue Wert das \(1{,}20\)-fache des alten. Wenn er um \(20\,\%\) sinkt, das \(0{,}80\)-fache. Diese Faktor-Schreibweise spart dir mehrere Rechenschritte:

  • Preis \(80\,€\) + \(25\,\%\) Aufschlag → \(80 \cdot 1{,}25 = 100\,€\).
  • Konzentration \(60\,\text{mg/L}\)\(30\,\%\)\(60 \cdot 0{,}70 = 42\,\text{mg/L}\).
ImportantWichtig: Erhöhung und Senkung heben sich nicht auf

Ein Wert wird um \(20\,\%\) erhöht und anschließend wieder um \(20\,\%\) gesenkt – ist man wieder beim Ausgangswert? Nein. Aus \(100\) wird \(100 \cdot 1{,}20 = 120\), daraus \(120 \cdot 0{,}80 = 96\). Es fehlen \(4\). Der Grund: Die zweite Prozentangabe bezieht sich auf einen anderen (größeren) Grundwert.

Halbschriftlich rechnen ohne Taschenrechner

Im Test gibt es keinen Rechner. Mehrere Erfahrungsberichte aus 2021 und 2023 nennen das als die eigentliche Hürde – nicht den Stoff, sondern das Rechnen selbst. Drei Techniken helfen dir spürbar:

Zerlegen statt stur multiplizieren. \(14 \cdot 35 = 14 \cdot (30 + 5) = 420 + 70 = 490\). Oder kommutativ-clever: \(14 \cdot 35 = 7 \cdot 70 = 490\).

Über Zehner und Hunderter rechnen. \(98 \cdot 7 = (100 - 2) \cdot 7 = 700 - 14 = 686\). Bei Zahlen nahe an „runden” Zahlen fast immer der schnellste Weg.

Großzügig kürzen vor dem Rechnen. \(\tfrac{45 \cdot 28}{14} = \tfrac{45 \cdot 28}{14} = 45 \cdot 2 = 90\) – einfach \(28\) und \(14\) zu \(2\) und \(1\) kürzen.

TipTipp: Zwischenergebnisse aufschreiben

Du bekommst im Test Notizpapier (in vielen Berichten erwähnt). Nutze es konsequent. Im Kopf zu jonglieren kostet Arbeitsgedächtnis, das du für die Logik der Aufgabe brauchst. Schreib Zwischenwerte hin, auch wenn es banal wirkt – ein Plausibilitätscheck am Ende ist mit aufgeschriebenen Zahlen viel schneller.

Verhältnisdenken statt Formelhuberei

Eine zentrale Erkenntnis aus den Erfahrungsberichten lautet: Viele Aufgaben löst du nicht über die offizielle Formel, sondern über das blanke Verhältnis. Ein Beispiel: Von vier zusammengehörigen Größen sind drei gegeben, die vierte gesucht. Statt zu überlegen „Wie heißt die Formel nochmal?” reicht oft die Frage „Wenn die eine Größe um den Faktor 3 wächst, was passiert mit der anderen?“

Diese Denkweise macht dich unabhängig vom Auswendigwissen einzelner Formeln. Du brauchst nur zwei Werkzeuge: erstens die Klarheit, ob direkt oder indirekt proportional, und zweitens das Vertrauen, dass „mit dem Faktor multiplizieren” oder „durch den Faktor teilen” tatsächlich reicht.

Ein Beispiel zum Festziehen: Eine Pumpe fördert in \(20\,\text{min}\) genau \(50\,\text{L}\). Wie lange braucht sie für \(175\,\text{L}\)? Hier ist das Verhältnis \(\tfrac{175}{50} = 3{,}5\). Direkter Zusammenhang (mehr Flüssigkeit → mehr Zeit), also: \(20 \cdot 3{,}5 = 70\,\text{min}\). Keine Formel, kein Taschenrechner – nur Verhältnis und ein bisschen Kopfrechnen.

Was du aus diesem Unterkapitel mitnimmst

Dreisatz, Prozentrechnung und Verhältnisdenken sind keine getrennten Themen, sondern drei Sichten auf dieselbe Sache: das saubere Hochskalieren oder Herunterskalieren von Größen. Wer Brüche, Dezimalzahlen und Prozente flüssig ineinander übersetzt, vor dem Rechnen die Art des Zusammenhangs (direkt oder indirekt) bestimmt und im Kopf mit „bekannten Prozenten” zerlegen kann, hat den rechnerischen Boden, den der PhaST von dir erwartet. In den nächsten Unterkapiteln baut sich auf genau diesem Boden alles Weitere auf – vom Umgang mit Einheiten bis zu physikalischen Formeln.

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