Einheiten, SI-Präfixe und Größenordnungen sicher beherrschen

Wenn du Erfahrungsberichte zum PhaST liest, taucht ein Thema mit auffälliger Regelmäßigkeit auf: Einheiten. Manche Teilnehmenden berichten sogar von „sehr sehr sehr vielen Einheiten” – Aufgaben, in denen man Geschwindigkeiten, Dichten oder Längen in ungewohnter Schreibweise vergleichen muss, ohne Taschenrechner und unter Zeitdruck. Wer hier sicher ist, gewinnt im Mathe-Physik-Teil mehrere wertvolle Punkte. Wer wackelt, verliert sie. Diese Seite macht dich so sicher, dass dich keine noch so seltsam notierte Einheit aus der Ruhe bringt.

Das SI-System: sieben Basiseinheiten als Fundament

Alle physikalischen Einheiten, die im PhaST auftauchen, lassen sich auf wenige Basiseinheiten zurückführen. Die wichtigsten für dich sind:

Größe Basiseinheit Symbol
Länge Meter m
Masse Kilogramm kg
Zeit Sekunde s
Stoffmenge Mol mol
Temperatur Kelvin K
Stromstärke Ampere A

Aus diesen baut man abgeleitete Einheiten zusammen – einfach durch Multiplikation oder Division:

  • Geschwindigkeit: m/s (Länge pro Zeit)
  • Fläche: m² (Länge mal Länge)
  • Volumen: m³ (Länge mal Länge mal Länge)
  • Dichte: kg/m³ (Masse pro Volumen)
  • Kraft: kg·m/s² = Newton (N)
  • Energie: kg·m²/s² = Joule (J)

Der entscheidende Gedanke: Eine Einheit ist nichts Mystisches, sondern eine Rechenanweisung. „m/s” heißt wörtlich „Meter geteilt durch Sekunden”. Genau so behandelst du sie auch beim Umrechnen.

Präfixe – die Zehnerpotenz-Maschine

Ein Präfix wie milli- oder kilo- ist nichts anderes als ein Faktor, eine Zehnerpotenz, die du vor die Einheit klebst. Statt \(0{,}000\,001\ \text{m}\) schreibt man \(1\ \mu\text{m}\). Die folgende Tabelle solltest du auswendig beherrschen – das ist eine der wenigen Stellen im PhaST, wo reines Auswendiglernen direkt belohnt wird:

Präfix Symbol Faktor Zehnerpotenz
Tera T 1 000 000 000 000 \(10^{12}\)
Giga G 1 000 000 000 \(10^{9}\)
Mega M 1 000 000 \(10^{6}\)
kilo k 1 000 \(10^{3}\)
hekto h 100 \(10^{2}\)
deka da 10 \(10^{1}\)
1 \(10^{0}\)
dezi d 0,1 \(10^{-1}\)
zenti c 0,01 \(10^{-2}\)
milli m 0,001 \(10^{-3}\)
mikro µ 0,000 001 \(10^{-6}\)
nano n 0,000 000 001 \(10^{-9}\)
piko p \(10^{-12}\) \(10^{-12}\)

Die fett markierten Präfixe sind die, die im PhaST mit Abstand am häufigsten vorkommen. Anschaulich kann man sich die ganze Skala als Zahlenstrahl mit logarithmischer Stufung vorstellen:

Die wichtigsten SI-Präfixe auf einer logarithmischen Skala. Die grün hervorgehobenen Präfixe (µ, m, c, k, M) sind im PhaST am häufigsten relevant.
ImportantWichtig: Groß- und Kleinschreibung sind nicht egal

m (klein) ist milli, also \(10^{-3}\). M (groß) ist Mega, also \(10^{6}\). Zwischen \(1\ \text{mg}\) und \(1\ \text{Mg}\) liegen neun Zehnerpotenzen. Genauso: µ (mikro, \(10^{-6}\)) und m (milli, \(10^{-3}\)) sind nicht dasselbe – zwischen ihnen liegt Faktor 1000.

Längen, Flächen und Volumen: warum sich Faktoren potenzieren

Hier passiert der wahrscheinlich häufigste Fehler überhaupt. Jede:r weiß: \(1\ \text{m} = 100\ \text{cm}\). Daraus folgt aber nicht \(1\ \text{m}^2 = 100\ \text{cm}^2\), sondern:

\[1\ \text{m}^2 = (100\ \text{cm})^2 = 10\,000\ \text{cm}^2\]

\[1\ \text{m}^3 = (100\ \text{cm})^3 = 1\,000\,000\ \text{cm}^3\]

Der Umrechnungsfaktor wird mit der Hochzahl der Einheit potenziert. Diese Regel klingt trivial – im Test wird sie unter Zeitdruck trotzdem laufend übersehen. Schauen wir es uns geometrisch an:

Beim Übergang zu Quadrat- bzw. Kubikeinheiten potenzieren sich die Faktoren: Aus dem Faktor 10 in der Länge werden 100 in der Fläche und 1000 im Volumen.

Daraus ergibt sich auch ein wichtiger Brückenwert für die Pharmazie:

\[1\ \text{L} = 1\ \text{dm}^3 = 1000\ \text{cm}^3 = 1000\ \text{mL}\]

Also: 1 mL = 1 cm³. Diese Identität wird im PhaST gerne stillschweigend vorausgesetzt.

TipTipp: Hochzahl-Check vor dem Rechnen

Bevor du eine Umrechnung wie cm² → m² ansetzt: Schreib dir die Hochzahl der Einheit hin und potenziere den Längen-Faktor mit dieser Hochzahl. Bei m³ ↔︎ cm³ ist der Faktor also \(100^3 = 10^6\), nicht \(100\). Diese eine Sekunde extra spart dir oft drei Zehnerpotenzen.

Zusammengesetzte Einheiten: Zähler und Nenner getrennt behandeln

Geschwindigkeiten (m/s, km/h), Dichten (g/cm³, kg/L) oder Konzentrationen (mg/mL) bestehen aus zwei Teilen: einem Zähler und einem Nenner. Der typische Trick im PhaST: In jeder Antwortoption sind Zähler und Nenner unterschiedlich. Die einzige zuverlässige Methode dagegen ist, beide Teile getrennt umzurechnen und am Ende zu kombinieren.

Beispiel: Wandle \(72\ \text{km/h}\) in m/s um.

  1. Zähler: \(72\ \text{km} = 72\,000\ \text{m}\)
  2. Nenner: \(1\ \text{h} = 3\,600\ \text{s}\)
  3. Zusammensetzen: \(\dfrac{72\,000\ \text{m}}{3\,600\ \text{s}} = 20\ \text{m/s}\)

Merksatz fürs Kopfrechnen: Von km/h zu m/s dividierst du durch 3,6. Von m/s zu km/h multiplizierst du mit 3,6. Diese 3,6 ist nichts Magisches – sie ist nur \(3600/1000\).

ImportantWichtig: Ein Faktor im Nenner kehrt sich um

Wenn du eine Einheit im Nenner durch eine kleinere ersetzt, wird die Gesamtgröße größer – nicht kleiner. Beispiel: 1 g/s = 60 g/min. Aus 1 wird 60, weil pro Minute 60-mal so viel Masse durchgeht wie pro Sekunde. Wer hier mechanisch wie im Zähler denkt („Sekunden in Minuten umrechnen heißt durch 60 teilen”), liegt falsch.

Dichten – die Königsdisziplin der Einheitenfallen

Erfahrungsberichte nennen ausdrücklich Vergleichsaufgaben wie „g/m³ versus kg/mm³”. Das ist heimtückisch, weil sich oben und unten das Präfix und die Hochzahl ändern. Probieren wir es: Wie verhalten sich \(1\ \text{g/m}^3\) und \(1\ \text{kg/mm}^3\)?

  • Zähler: \(1\ \text{kg} = 1000\ \text{g}\), also Faktor \(10^{3}\).
  • Nenner: \(1\ \text{mm}^3 = (10^{-3}\ \text{m})^3 = 10^{-9}\ \text{m}^3\). Da der Nenner nun \(10^{9}\)-mal kleiner ist, wird der Bruch um Faktor \(10^{9}\) größer.
  • Gesamt: \(1\ \text{kg/mm}^3 = 10^{3} \cdot 10^{9}\ \text{g/m}^3 = 10^{12}\ \text{g/m}^3\).

Zwischen den beiden Angaben liegen also zwölf Zehnerpotenzen – das ist der Unterschied zwischen einem fast vakuumartigen Gas und einem extrem dichten Festkörper.

Strategie: ungewohnt notierte Einheiten vergleichen

Aufgaben des Typs „Welche der folgenden Geschwindigkeiten ist am kleinsten?” sind im PhaST Standardware. Die Antwortoptionen sind absichtlich so gewählt, dass du nicht einfach auf die Zahl schauen darfst – die Einheiten sind alle unterschiedlich.

Goldene Regel: Bring alle Optionen auf dieselbe Einheit, am besten auf eine SI-nahe Standardform (z. B. m/s für Geschwindigkeiten, kg/m³ für Dichten). Erst dann vergleichst du die Zahlenwerte.

Schauen wir uns das an einem konkreten Beispiel an. Welche der folgenden vier Geschwindigkeiten ist die größte?

  1. \(5\ \text{cm/s}\) (II) \(200\ \text{m/min}\) (III) \(0{,}01\ \text{km/s}\) (IV) \(30\ \text{km/h}\)

Wir rechnen alles auf m/s um:

    1. \(5\ \text{cm/s} = 0{,}05\ \text{m/s}\)
    1. \(200\ \text{m/min} = 200/60\ \text{m/s} \approx 3{,}33\ \text{m/s}\)
    1. \(0{,}01\ \text{km/s} = 10\ \text{m/s}\)
    1. \(30\ \text{km/h} = 30/3{,}6\ \text{m/s} \approx 8{,}33\ \text{m/s}\)

Sortiert: (I) < (II) < (IV) < (III). Die größte Geschwindigkeit ist also (III).

Erst nach Umrechnung in eine gemeinsame Einheit (m/s, hier auf logarithmischer Skala) lassen sich die Werte ehrlich vergleichen. Option (III) ist deutlich am größten.

Der wichtige Punkt: Hätte man nur auf die Zahlen geschaut, wäre 200 (Option II) am größten gewesen – tatsächlich ist es die zweitkleinste Geschwindigkeit. Genau auf solche Fallen zielen die Aufgaben.

Präfixe und Zeit gleichzeitig – die kombinierte Falle

Ein besonders gemeiner Aufgabentyp kombiniert Präfix-Umrechnung mit Zeiteinheit. Beispiel: Wie viel ist \(5\ \text{dm/ms}\) in m/s?

  • Zähler: \(5\ \text{dm} = 0{,}5\ \text{m}\)
  • Nenner: \(1\ \text{ms} = 10^{-3}\ \text{s}\)
  • Zusammen: \(\dfrac{0{,}5\ \text{m}}{10^{-3}\ \text{s}} = 500\ \text{m/s}\)

Achtung: Eine Geschwindigkeit von „nur 5” in dm/ms ist in Wahrheit fast Schallgeschwindigkeit. Das illustriert, wie sehr ungewohnte Präfixe das Bauchgefühl täuschen können.

Erinnere dich an die wichtigsten Zeit-Brücken:

\[1\ \text{min} = 60\ \text{s},\quad 1\ \text{h} = 3600\ \text{s},\quad 1\ \text{Tag} = 86\,400\ \text{s}\]

Größenordnungen: ein Bauchgefühl, das man trainieren kann

Im Test hilft dir oft schon das Wissen, in welcher Größenordnung die Antwort liegen muss – Detailgenauigkeit kommt erst danach. Eine kleine Orientierung:

Größe typischer Wert
Wassertropfen ≈ 0,05 mL = 5·10⁻⁵ L
Tablettenmasse ≈ 100 mg = 10⁻¹ g
Dichte Wasser 1 g/cm³ = 1000 kg/m³
Dichte Luft ≈ 1,2 kg/m³
Gehgeschwindigkeit ≈ 1,4 m/s ≈ 5 km/h
Schallgeschwindigkeit (Luft) ≈ 340 m/s
Atomdurchmesser ≈ 0,1 nm = 10⁻¹⁰ m
Bakterienzelle ≈ 1 µm
Erythrozyt ≈ 7 µm

Wenn du am Ende einer Rechnung 1500 kg/m³ Luftdichte herausbekommst, weißt du ohne Nachprüfen: irgendwo steckt ein Faktor 1000 zu viel. Solche Plausibilitätsanker retten im Test mehr Punkte als jede zusätzliche Formel.

TipTipp: Die Drei-Schritt-Routine für jede Einheitenaufgabe

Für jede Aufgabe mit Einheiten – egal wie kompliziert – immer dieselbe Reihenfolge:

  1. Zerlegen. Schreibe Zähler und Nenner einzeln auf, mit allen Hochzahlen.
  2. Präfixe ersetzen. Jedes Präfix durch seine Zehnerpotenz ersetzen (m → 10⁻³, k → 10³, …) und mit der Hochzahl der Einheit potenzieren.
  3. Zusammenführen. Zähler-Faktor durch Nenner-Faktor teilen, fertig.

Diese Routine ist langweilig – aber sie liefert in 100 % der Fälle die richtige Antwort. Genau das brauchst du im Test.

Zwei Fallen, die viele am Testtag erwischen

ImportantWichtig: Die zwei häufigsten Fehler

Fehler 1 – Hochzahl ignorieren. Bei Flächen und Volumen den Umrechnungsfaktor nicht potenzieren. Klassisch: 1 m² = 100 cm² (falsch!). Richtig: 1 m² = 10 000 cm².

Fehler 2 – Nenner falsch herum behandeln. Wenn du im Nenner eine größere Zeiteinheit einsetzt, wird die Gesamtgröße größer, nicht kleiner. Faustregel: Was im Nenner steht, dreht sich beim Umrechnen um.

Mit diesen Werkzeugen – sieben Basiseinheiten, zwölf Präfixe, der Drei-Schritt-Routine und einem Bauchgefühl für Größenordnungen – bist du gegen praktisch alle Einheitenaufgaben des PhaST gewappnet. Der Rest ist Übung: möglichst viele kleine Umrechnungen, möglichst oft, möglichst ohne Taschenrechner.

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