Aufgabenformat: Wie die Fragen am Laptop aussehen und was verlangt wird

Bevor du dich in einzelne Themen wie Einheiten, Formeln oder Mechanik stürzt, lohnt sich ein klarer Blick auf das Format der Aufgaben. Denn anders als in der Schule, wo eine Physikaufgabe schnell mal eine halbe Seite Text hat, sind die Fragen im PhaST extrem kompakt – und genau das macht sie tückisch. Auf dieser Seite geht es darum, wie eine Aufgabe am Bildschirm aussieht, welche Aufgabentypen dich erwarten und welche Denkoperation jeweils im Hintergrund läuft.

Das Grundformat: 15 Aufgaben in 15 Minuten

Im Untertest „Mathematik und Physik” bekommst du 15 kurze Multiple-Choice-Aufgaben und hast dafür 15 Minuten Zeit. Pro Aufgabe bleibt dir damit rechnerisch etwa eine Minute – inklusive Lesen, Rechnen, Antwort wählen und Kontrolle. Jede Aufgabe hat fünf Antwortoptionen (A bis E), von denen genau eine richtig ist. Es gibt keine Mehrfachauswahl, keine Teilpunkte, keine Eingabefelder – du klickst einen Radio-Button an und kannst deine Wahl bis zum Ende der Bearbeitungszeit ändern.

Sehr wichtig: Es gibt keinen Taschenrechner. Auch keine Notiz-App, kein Excel, kein Smartphone. Du hast Stift, Notizpapier (vom Testzentrum) und deinen Kopf. Das prägt das gesamte Aufgabendesign – die Zahlen sind so gewählt, dass sie sich im Kopf oder auf dem Papier in 30–60 Sekunden bewältigen lassen, wenn man die Methode kennt.

Mathematik und Physik · Aufgabe 7 von 15 ⏱ 08:42 Aufgabenstellung (kurz, oft 1–3 Zeilen) Manchmal ergänzt durch eine kleine Formel, ein Schaubild oder mehrere Aussagen, die zu prüfen sind. A) Antwortoption mit Wert oder Aussage B) Antwortoption (gerade ausgewählt) C) Antwortoption D) Antwortoption E) Antwortoption Weiter → [ optional: Formel / Diagramm ]

So ungefähr sieht der Bildschirm aus: kompakter Aufgabentext oben, fünf Antwortoptionen darunter, gegebenenfalls ein Diagramm oder eine Formel rechts, die laufende Restzeit oben rechts. Diese Mockup-Skizze ist bewusst eigenständig gestaltet – die echte Oberfläche kann im Detail anders aussehen, das Prinzip (kurz, fünf Optionen, eine richtig) ist aber immer dasselbe.

Die fünf typischen Aufgabentypen

Auch wenn jede Aufgabe einzigartig wirkt, lassen sich fast alle Fragen in fünf Grundtypen einsortieren. Es lohnt sich enorm, beim Lesen sofort zu erkennen, welcher Typ vorliegt – denn jeder Typ verlangt eine andere Denkoperation.

Typ Worum geht’s? Was musst du tun?
Direkte Rechenaufgabe Konkrete Größen sind gegeben, ein Zahlenwert ist gesucht Formel anwenden, ausrechnen
Einheitenvergleich Mehrere Werte mit verschiedenen Einheiten gegenüberstellen Auf gemeinsame Basis umrechnen, sortieren
Formel-Anwendung / -Umstellung Eine Beziehung zwischen Größen ist abgefragt Formel umstellen, Proportionalitäten erkennen
Graphen- und Näherungsfrage Ein Schaubild zeigt eine Funktion, eine Näherung ist gesucht Verhalten in einem Bereich ablesen / approximieren
Konzeptuelle Aussagenprüfung Fünf Aussagen über ein physikalisches Szenario Einzeln prüfen: welche stimmt (nicht)?

In den nächsten Abschnitten schauen wir uns jeden Typ kurz an. Damit das anschaulich bleibt, beziehe ich mich auf die drei Aufgaben aus unserem internen Übungsteil – die kannst du dir später noch einmal in Ruhe ansehen.

Typ 1: Direkte Rechenaufgabe

Hier sind alle nötigen Größen gegeben, du musst nur das richtige Rechenwerkzeug auswählen und sauber durchrechnen. Klassiker sind Schaltungen, Konzentrationen, Geschwindigkeiten, Dichten.

Schau dir dazu unsere interne Übungsaufgabe 1 zur Parallelschaltung an: Drei Widerstände sind parallel geschaltet, gefragt ist der Gesamtwiderstand. Die Denkoperation läuft in drei Schritten ab: (1) Aufgabentyp erkennen – „parallel” ist das Stichwort, also Kehrwertformel; (2) Werte einsetzen und auf einen gemeinsamen Nenner bringen; (3) am Ende nicht vergessen, den Kehrwert zu nehmen. Genau dieser letzte Schritt ist die Lieblingsfalle des Tests – und einer der fünf Distraktoren ist meistens genau das Ergebnis, das man bekommt, wenn man ihn vergisst.

ImportantWichtig: Die Distraktoren sind keine Zufallszahlen

Bei Rechenaufgaben sind die falschen Antworten gezielt so gewählt, dass sie typischen Fehlern entsprechen: Reihenformel statt Parallelformel, vergessener Kehrwert, vertauschte Einheit, falsches Vorzeichen. Wenn dein Ergebnis exakt einer der Antworten entspricht, ist das kein sicherer Beleg, dass du richtig liegst.

Typ 2: Einheitenvergleich

Dieser Typ ist laut Erfahrungsberichten der mit Abstand häufigste – mehrere Teilnehmende sprechen von „sehr vielen Einheiten” und „komischen Vergleichen”, bei denen man zwischen verschiedenen Größenordnungen hin- und herrechnen muss. Typisch: Vier oder fünf Geschwindigkeiten in völlig unterschiedlichen Einheiten (cm/s, km/h, m/min, dm/ms), und du sollst sagen, welche die kleinste oder größte ist.

Die Denkoperation ist immer dieselbe: Alle Werte in eine gemeinsame Einheit umrechnen – meistens die SI-Basiseinheit (m/s, kg, m³) – und dann vergleichen. Der Trick liegt im sauberen Umgang mit den Präfixen (k, m, μ, n …) und den Zehnerpotenzen. Tiefer steigen wir dazu im Unterkapitel zu Einheiten und SI-Präfixen ein.

Typ 3: Formel-Anwendung und -Umstellung

Hier geht es nicht primär ums Ausrechnen, sondern darum, eine Beziehung zwischen Größen zu erkennen oder umzuformen. Beispielhaft: „Wenn sich die Geschwindigkeit verdoppelt, wie ändert sich die kinetische Energie?” Antwort: Sie wird viermal so groß, weil \(E_{\text{kin}} = \tfrac{1}{2}mv^2\) quadratisch in \(v\) ist.

Genau diese Logik wird in unserer internen Übungsaufgabe 3 zum freien Fall in Antwortoption C abgefragt: „Verdoppelt sich die Fallzeit, so verdoppelt sich die Fallstrecke” – das klingt plausibel, ist aber falsch, weil \(s = \tfrac{1}{2}gt^2\) quadratisch in \(t\) ist und sich die Strecke vervierfacht. Wer hier die Formel nicht im Kopf hat, kann trotzdem zur richtigen Lösung kommen, indem er sich das Verhalten qualitativ klar macht: „Beim Fallen wird man immer schneller, also wächst die Strecke schneller als linear.”

Typ 4: Graphen- und Näherungsfragen

Ein Schaubild zeigt eine Funktion, oft eine, die in Pharmazie und Chemie wichtig ist – Exponentialfunktionen, Logarithmen, Potenzen. Gefragt ist meistens nicht ein präziser Wert, sondern das Verhalten in einem bestimmten Bereich oder eine lineare Näherung in der Nähe eines Punkts.

Die Tangente y = 1 − x liegt für kleine x sehr nahe an der echten Funktion e⁻ˣ – genau das ist das Prinzip einer linearen Näherung.

Genau dieses Muster kennst du aus unserer internen Übungsaufgabe 2: Gegeben ist \(f(x) = e^{-x}\), gesucht die lineare Näherung für \(x \approx 0\). Antwort C: \(e^{-x} \approx 1 - x\). Die Denkoperation ist nicht „Taylorreihen herleiten”, sondern: Welche Gerade schmiegt sich im interessierenden Bereich an die Kurve an? Dafür brauchst du nur zwei Dinge:

  1. Den Funktionswert am Punkt – die Gerade muss bei \(x = 0\) den Wert \(1\) haben (weil \(e^0 = 1\)). Das schließt sofort A, D und E aus.
  2. Die Richtung – die Funktion fällt bei \(x = 0\), also muss die Steigung negativ sein. Damit fällt B raus, und C bleibt übrig.

Das geht in unter 30 Sekunden, ganz ohne Ableitungsregeln.

Typ 5: Konzeptuelle Aussagenprüfung

Hier bekommst du fünf physikalische Aussagen zu einem Szenario, und du sollst diejenige finden, die zutrifft oder eben nicht zutrifft. Beispiel: ein freier Fall im Vakuum, ein Körper auf Erde und Mond, ein Schallphänomen. Die Aufgaben sind oft anspruchsvoll, weil die vier richtigen Aussagen plausibel klingen und du die eine schwarze Schaf-Aussage durch genaues physikalisches Verständnis enttarnen musst.

Unsere interne Übungsaufgabe 3 zum freien Fall ist genau dieser Typ. Die Strategie: Jede Aussage einzeln prüfen, in der Reihenfolge A bis E, und entweder als sicher korrekt oder verdächtig markieren. Sobald du eine Aussage gefunden hast, die du eindeutig widerlegen kannst, kannst du sie wählen und weiterklicken – du musst nicht erst beweisen, dass die anderen vier stimmen.

ImportantWichtig: Lies die Frage zweimal – „nicht zutrifft” wird gerne überlesen

Bei diesem Aufgabentyp wird häufig nach der falschen Aussage gefragt – nicht nach der richtigen. Wer in Eile die Negation überliest, wählt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine korrekte Aussage und liegt damit garantiert falsch. Mach es dir zur Routine, bei jeder Aussagenfrage den Operator („trifft zu” / „trifft nicht zu”) aktiv zu markieren, bevor du die Optionen liest.

Was die Bildschirmdarstellung von dir verlangt

Der Übergang vom Schulheft zum Bildschirm ist subtil, aber relevant. Drei Dinge ändern sich gegenüber einer normalen Klausur:

Symbole und Indizes lesen. Auf einem Monitor verschwimmen \(R_1\), \(R_l\) und \(R_I\) schneller als auf Papier, ebenso \(\mu\) und \(u\) oder \(\rho\) und \(p\). Ähnlich gefährlich: Ein hochgestelltes Minus bei \(e^{-x}\) kann beim flüchtigen Lesen zu \(e^x\) werden – zwei völlig verschiedene Funktionen mit gegensätzlichem Verhalten. Lies Symbole bewusst und langsam, gerade in den Antwortoptionen.

Einheiten und Vorzeichen aktiv mitlesen. In den fünf Antwortoptionen unterscheidet sich oft nur die Einheit (g vs. kg) oder das Vorzeichen (\(+x\) vs. \(-x\)). Eine schnelle, aber zuverlässige Routine: Beim ersten Lesen der Aufgabe alle Einheiten der gegebenen Größen kurz auf das Notizpapier schreiben – das verhindert, dass du am Ende einen Wert in Millimetern produzierst, obwohl die Antwortoptionen alle in Metern stehen.

Antworten musterartig erfassen. Statt jede der fünf Optionen zu Ende zu lesen, lohnt sich oft ein Strukturvergleich: Sind alle Optionen Zahlen mit derselben Einheit, oder unterscheiden sie sich systematisch (Vorzeichen, Einheit, Größenordnung)? Aus dem Muster der Distraktoren erkennt man oft sofort, worauf der Test abzielt – etwa „Reihen- vs. Parallelformel” oder „Steigung positiv vs. negativ”.

Eine grobe Zeitaufteilung pro Aufgabe – die ersten zehn Sekunden sind oft die wichtigsten: Wer den Aufgabentyp falsch einsortiert, verliert anschließend das doppelte an Zeit.

Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Abfolge: Die ersten Sekunden sind Diagnose, nicht Rechnen. Wer sofort losrechnet, ohne den Aufgabentyp identifiziert zu haben, landet bei Aussagenprüfungen oder Näherungen schnell in einer Sackgasse – dort gibt es nämlich gar nichts auszurechnen, sondern nur abzuwägen.

TipTipp: Trainiere das „Aufgabentyp-Erkennen” als eigene Fertigkeit

Beim Üben lohnt es sich, vor dem Lösen einer Aufgabe explizit zu sagen: „Das ist ein Einheitenvergleich” oder „Das ist eine Aussagenprüfung”. Erst danach rechnen. Diese kurze Etikettierung wird mit der Zeit automatisch und spart im echten Test entscheidende Sekunden – und sie verhindert, dass du eine Aussagenfrage versehentlich wie eine Rechenaufgabe behandelst.

Was du nach dieser Seite mitnehmen solltest

Du weißt jetzt, wie eine PhaST-Aufgabe in Mathematik und Physik strukturell aussieht: kurzer Aufgabentext, fünf Antwortoptionen, eine Minute Bearbeitungszeit, kein Taschenrechner. Du kennst die fünf typischen Aufgabentypen und weißt, dass jeder Typ eine eigene Denkoperation verlangt – Rechnen, Umrechnen, Umstellen, Näherung ablesen oder Aussagen einzeln prüfen. Und du hast eine erste Vorstellung davon, dass die Distraktoren keine Zufallszahlen sind, sondern gezielt typische Fehler abbilden.

Welche Inhalte in diesen Aufgaben tatsächlich vorkommen – konkret welche Formeln, Einheiten, Bewegungsgesetze, Schaltungsregeln und Funktionen du beherrschen musst – schauen wir uns Schritt für Schritt in den folgenden Unterkapiteln an, beginnend mit Grundrechnen und Einheiten.

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