Überblick: Was in diesem Untertest geprüft wird

Bevor du dich in einzelne Diagrammtypen, Lesestrategien und Rechentricks stürzt, solltest du klar verstehen, was dieses Modul überhaupt von dir verlangt – und was nicht. Der Untertest sieht auf den ersten Blick harmlos aus („sind doch nur ein paar Werte aus einem Diagramm”), entpuppt sich am Testtag aber regelmäßig als einer der zeitkritischsten Teile des PhaST. Diese Seite ordnet den Untertest ein, klärt die offiziellen Rahmendaten und zeigt, warum die geprüfte Fähigkeit mehr ist als reines Hinsehen.

Was hier wirklich geprüft wird: Graph Literacy

Der offizielle Name ist sperrig, das Prüfungsziel aber ziemlich klar umrissen: Du sollst zeigen, dass du formalisierte Informationen in grafischer und tabellarischer Form schnell und korrekt verarbeiten kannst. In der Forschung läuft diese Kompetenz unter dem Begriff Graph Literacy – also die Fähigkeit, mit Diagrammen, Schaubildern und Tabellen umzugehen, wie sie in den Naturwissenschaften und in der Pharmazie täglich vorkommen.

Graph Literacy lässt sich gedanklich auf drei Stufen aufteilen, und der PhaST bedient alle drei:

Drei Stufen der Graph Literacy – der Untertest deckt das gesamte Spektrum ab.

Das reine Ablesen einzelner Werte ist die einfachste Stufe – und am Testtag oft nur der Einstieg. Die meisten Aufgaben verlangen, dass du mehrere Informationen kombinierst oder eine kleine Schlussfolgerung ziehst, etwa: „Welche der fünf Aussagen stimmt mit dem Diagramm überein?” oder „Wie viele Tiere würden bei doppelter Gruppengröße überleben?“. Genau dieser Sprung von der ersten zur dritten Stufe macht den Untertest schwerer, als er auf den ersten Blick wirkt.

Die offiziellen Rahmendaten auf einen Blick

Damit du dich mental auf das Format einstellen kannst, hier die festen Eckdaten des Untertests:

Merkmal Wert
Anzahl Aufgaben 15
Antwortmöglichkeiten je Aufgabe 5 (A–E)
Richtige Antworten je Aufgabe typischerweise genau eine
Bearbeitungszeit insgesamt 25 Minuten
Zeit pro Aufgabe (im Schnitt) ca. 1 Min 40 Sek
Format Multiple Choice am PC
Hilfsmittel kein Taschenrechner; durchsichtiges Lineal i. d. R. erlaubt

Diese Zeitvorgabe klingt harmlos, ist aber spürbar knapp – vor allem, wenn ein Diagramm mehrere Kurven, mehrere Achsen oder treppenförmige Bereiche enthält. Stell dir die 25 Minuten so vor:

Das Zeitbudget des Untertests, schematisch dargestellt.

In dieser Zeit musst du jedes Mal die Achsen verstehen, die Frage lesen, den richtigen Bereich der Grafik finden, gegebenenfalls einen Wert ablesen oder kurz hochrechnen und alle fünf Antwortoptionen prüfen. Es bleibt also wenig Spielraum für lange Überlegungen.

Was nicht geprüft wird

Eine der wichtigsten Botschaften gleich am Anfang: Dieses Modul ist kein verkapptes Pharmazie-, Biologie- oder Statistikexamen. Du musst keine Halbwertszeit-Formel auswendig können, keine Körperoberfläche berechnen können und keine pharmakologischen Mechanismen kennen. Alles, was du zur Lösung brauchst, steht im Diagramm, in der Tabelle oder im Aufgabentext.

NoteHinweis: Vorwissen kann helfen, ist aber keine Voraussetzung

Wenn du z. B. aus dem Bio-Leistungskurs schon weißt, wie Plasmaspiegel-Kurven prinzipiell aussehen, erfasst du eine Aufgabe schneller. Punkte gibt es dafür aber nicht – die Aufgabe ist so konstruiert, dass auch jemand ohne dieses Vorwissen die Lösung allein aus der Grafik ablesen kann. Lass dich also weder durch unbekannte Fachbegriffe einschüchtern noch durch vermeintliches Vorwissen verleiten, am Diagramm vorbei zu raten.

Dass es nicht um Faktenwissen geht, heißt aber nicht, dass keine Mathematik vorkommt. Kleine Rechenschritte gehören dazu: Prozente in Anteile umrechnen, mit dem Dreisatz hochskalieren, Werte aus zwei Diagrammbereichen aufsummieren, Größenordnungen abschätzen. All das ohne Taschenrechner, im Kopf oder auf Schmierpapier. Die eigentliche Herausforderung ist also weniger das Wissen als das konzentrierte, sauber ausgeführte Arbeiten unter Zeitdruck.

Warum „nur Ablesen” in der Praxis oft anspruchsvoll ist

Wenn du die offiziellen Beispielaufgaben des ITB durchgehst, beginnt der Untertest harmlos: ein einzelner Schnittpunkt in einem Nomogramm, fertig. Spätestens bei der dritten Aufgabe – einem mehrschichtigen Schaubild zur Dosis-Wirkung – wird klar, wohin die Reise geht: mehrere Datenebenen, Hochrechnung auf andere Stichprobengrößen, Summenbildung über alle Dosisstufen. Der Sprung im Anspruch innerhalb derselben Aufgabengruppe ist auffällig.

Genau das spiegelt sich auch in den Erfahrungsberichten der letzten Jahrgänge: Wie schwer der Untertest am Testtag wirkt, schwankt deutlich. 2023 beschrieben mehrere Teilnehmende die Aufgaben als spürbar bis deutlich anspruchsvoller als die Broschüre und vor allem als unübersichtlicher und stärker auf Anwendung ausgelegt. 2024 und 2025 berichteten andere wiederum, das Niveau habe ungefähr dem der Broschüre entsprochen oder sogar etwas darunter gelegen. Plane also lieber für das härtere Szenario.

Ein typisches Beispiel für den Anwendungsanspruch findest du in unserer Übungsaufgabe 3 (Substanz Y an Mäusen): Du musst dort nicht nur Werte ablesen, sondern für jede Dosisstufe einzeln den Anteil überlebender Tiere bestimmen, auf eine andere Gruppengröße umrechnen und am Ende neun Zahlen aufaddieren – alles mental, sauber und unter Zeitdruck. Das geht weit über reines Hinsehen hinaus.

ImportantWichtig: Der Klassiker-Fehler – „Das ist doch trivial”

Viele unterschätzen diesen Untertest beim ersten Durchblättern der Broschüre, weil die ersten Beispielaufgaben sehr zugänglich wirken. Im echten Test trifft man dann auf Diagramme mit mehreren Kurven, ungewohnten Skalierungen oder verschachtelten Tabellen – und merkt erst dort, wie schnell die Zeit schmilzt, wenn man sich nicht trainiert hat, systematisch und ruhig vorzugehen. Wer hier ohne Plan reingeht, verliert nicht an Wissen, sondern an Tempo.

Welche Kompetenzen du am Ende mitbringen solltest

Aus all dem ergibt sich, was dich der weitere Verlauf dieses Kapitels lehren wird. Du sollst nach der Vorbereitung in der Lage sein, ein Diagramm auf einen Blick zu strukturieren (Was steht auf welcher Achse? Welche Einheiten? Welche Skala – linear oder verzerrt?), unterschiedliche Darstellungstypen sicher zu lesen (klassische xy-Diagramme, Nomogramme mit Iso-Linien, Schaubilder mit mehreren Schichten, Tabellen), Aussagen anhand der Grafik zu prüfen und wo nötig kleine Rechenschritte im Kopf zuverlässig auszuführen.

Wie du das im Detail trainierst, welche Lesestrategien dir Zeit sparen, welche typischen Fallen lauern und wie der Bildschirm am Testtag genau aussieht, klären wir in den folgenden Unterkapiteln. Wichtig fürs erste Verständnis: Dieser Untertest ist nicht Wissensfragen-, sondern Fertigkeits-basiert – und genau deshalb lässt er sich durch gezieltes Training spürbar verbessern.

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